Stellenanzeigen, die zu unbezahlter Arbeit durch Fachleute aufrufen

Der Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V. protestiert aus gegebenem Anlass mit Nachdruck gegen die Verbreitung von Stellenanzeigen, die zu unbezahlter Arbeit durch Fachleute aufrufen.

Durch die wiederholte Anzeige von kunsttexte.de vom 01.12.2010 in ARTHIST NET unter JOB, welche in Form einer Stellenannonce ehrenamtliche Redakteure sucht, wird der Eindruck erweckt, dass kunsthistorische Arbeit nicht unbedingt auch entlohnt werden muss. Da kunsttexte.de ein DFG-gefördertes Projekt ist, stößt dies insbesondere bei freiberuflichen Kolleginnen und Kollegen auf Irritation und Unverständnis. Gerade diese Berufsgruppe muss sich ständig gegen Lohndumping wehren. Angebote wie das am 01.12.2010 veröffentlichte können jedoch leicht den Eindruck erwecken, dass dies legitim sei.

Einem Missverständnis der JOB-Anzeige zuträglich ist, dass Mittel der DFG für kunsttexte.de zwar vorhanden sind, diese jedoch laut Auskunft von 2009 für die technische Betreuung und nicht für die Redaktion bereit stehen (was zudem für Kolleginnen und Kollegen, die mit e-publishing vertraut sind, für Irritation sorgt). Üblicherweise sind unter JOB ausschließlich bezahlte Stellen ausgeschrieben. Es spricht selbstverständlich nichts gegen die Einladung an gerade junge Kolleginnen und Kollegen, an einem Projekt mitzuarbeiten, um dadurch Berufserfahrung zu gewinnen. Allerdings wäre hier eine Veröffentlichung unter ANN zu wünschen gewesen, die den offiziellen Ton einer Stellenanzeige („mit Lebenslauf“ etc.) vermeidet.

Gerade in Zeiten, wo die Mittel auch öffentlicher Haushalte für Kunst und Kultur knapp werden, sollte die Berufsgruppe der Kunsthistoriker zusammenhalten. Denn was bei den Freien seit langem gang und gäbe ist – der Kampf um Honorare für eine selbständige, wirtschaftlich sinnvolle Finanzierung – könnte über kurz oder lang auch bei den Institutionen wie Universitäten, Museen oder bei der Denkmalpflege für Probleme sorgen, dann nämlich, wenn ihre Träger Sinn und Nutzen der Arbeit in Frage stellen.

Für den Vorstand:
Dr. Barbara Polaczek

Berufsgruppenvertreterin Freie Berufe
im Vorstand des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V.


Anmerkung:
Von der Veröffentlichung dieser Stellungnahme über die E-Mail-Liste von H-ArtHist hat die Redaktion von H-ArtHist Abstand genommen.

Links:
JOB: RedakteurInnen gesucht, Date: Wed, 1 Dec 2010
JOB: Redakteur "kunsttexte.de", Date: Sat, 10 Oct 2009