Resolution zum Erhalt der Würzburger Mozartschule

Der Verband Deutscher Kunsthistoriker e. V. hat in seiner Mitgliederversammlung auf dem 31. Deutschen Kunsthistorikertag in Würzburg am 25.3.2011 folgende Resolution zum notwendigen Erhalt der Mozartschule einstimmig verabschiedet. 

 

Im Rahmen des 31. Deutschen Kunsthistorikertages, der vom 23.-27. März 2011 in Würzburg tagt, hat sich die Sektion „Stadtbaukunst – Zerstörung und Wiederaufbau“ im Zuge des Tagungsthemas „Genius loci“ auch dem Umgang mit dem Wiederaufbau der Gastgeberstadt beschäftigt. Das Zentrum von Würzburg ist aufgrund der massiven  Zerstörung im Zweiten Weltkrieg stark vom Wiederaufbau geprägt. Aus den ersten Jahrzehnten dieses Wiederaufbaus haben sich qualitätvolle städtebauliche Anlagen und Einzelbauten erhalten, die nicht nur wichtige städtebauhistorische Zeugnisse sondern auch ein wertvolles Kulturgut darstellen.

Eine der bedeutendsten dieser städtebaulichen und architektonischen Leistungen ist die von Rudolf Schlick in den Jahren 1955 bis 1957 nahe der Residenz in der von Balthasar Neumann angelegten Hofstraße errichtete Mozartschule. Sie ist akut gefährdet durch einen Stadtratsbeschluss, der an dieser Stelle den Bau eines großen Einkaufszentrums vorsieht. Eines der überzeugendsten Beispiele des organischen Bauens soll einer hier nicht angemessenen Großstruktur geopfert werden und dies, obwohl es sich bei der Schule um ein eingetragenes Denkmal handelt. Die vielfältig, kulturell und bürgerschaftlich genutzte Gebäudegruppe ist ein gelungenes Beispiel eines auf die Gegebenheiten der Altstadt mit ihren Monumenten in modernen Formen rücksichtsvoll reagierenden Wiederaufbaus. Mit eleganten Rücksprünge an der Maxstraße öffnet die Anlage den Stadtraum. Solide konservativ macht das Gebäude die engen, mittelalterlichen Straßen hier erfahrbar, erweitert sie aber auch und belebt und verschönert die alte Struktur. Auch die Farbigkeit des Gebäudes und die vielfältigen Winkel des Baukörpers beweisen die Vielfalt der 1950er Jahre. Dagegen bringt die Fassadengliederung ein Ordnungsmoment hinein: Die organische, den rechten Winkel vermeidende Struktur belebt den Baukörper, braucht aber einen Ruhepunkt in der regelmäßigen, ja gleichförmigen Ordnung der Rasterfassaden und in den regelmäßig gereihten Fensterfassaden.

Die am 31. Deutschen Kunsthistorikertag versammelten Fachleute weisen die Verantwortlichen und die Bürgerinnen und Bürger Würzburgs nachdrücklich auf den hohen künstlerischen und städtebaulichen Wert der für die Stadt so wichtigen baulichen Zeugnisse des Wiederaufbaus und insbesondere auf die überragende Bedeutung der Mozartschule hin und appellieren an sie, sich der Verantwortung für dieses baukulturelle Erbe bewusst zu sein.

 

 

Hören Sie hierzu auch ein Interview mit Herrn Professor Hans-Rudolf Meier, Bauhaus-Universität Weimar, im Rahmen der Hörfunksendung kulturWelt vom 19. April 2011 auf Bayern2