Thomas-Friedrich-Stipendium für Fotografie­forschung

Die Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur vergibt zum 1. Januar 2018 das Thomas-Friedrich-Stipendium für Fotografie­for­schung. 

Das Stipendium ist nach Thomas Friedrich (1948-2011) benannt, Berliner Kurator, Ver­leger, Publizist und Fotografiehistoriker. Seine Leidenschaft für die Fotografie und sein Forscherinstinkt sind Vorbild und Aufforderung, um bisher unerforschte Sammlungs­be­stände der Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie aufzuarbeiten.

Das Stipendium wird durch die freundliche Unterstützung des international bekannten Sammlers und Fotografie-Förderers Manfred Heiting ermöglicht.

Ziel der Ausschreibung

Das Thomas Friedrich-Stipendium soll jungen Wissenschaftlern die Möglichkeit ge­ben, substantielle Forschungsarbeit zu leisten und sich damit als Wissenschaftler zu profilieren.

Das Thema ist vorgegeben und wurde von einer Fachjury aus den Beständen der Foto­grafischen Sammlung entwickelt. Jedes Stipendium wird für die Dauer von einem Jahr vergeben. Die Stipendiatin/der Stipendiat soll eigenständig forschen – mit Zugang zur Bibliothek und zur Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie. Die Ergebnisse werden in einer vom Museum neu konzipierten zweisprachigen Publikationsreihe mit dem Titel „Forschungsberichte“ herausgegeben.

Das Thema

Die bildjournalistische Arbeit von Fritz Eschen in den Jahren1928 bis1964

Fritz Eschen (1900-1964) begann 1928 als freiberuflicher Bildjournalist zu arbeiten. Er stammt aus einem bürgerlichen, liberal-jüdischen Elternhaus. Durch diesen familiären Hintergrund und der vorübergehenden Tätigkeit als Juniorchef einer Privattelefon­ge­sell­schaft kam er mühelos in Kontakt zur Berliner Gesellschaft jener Zeit, vor allem zu Persönlichkeiten des politischen und künstlerischen Lebens. Als Mitarbeiter von Bild­agenturen wie Dephot, Neofot-Fatag, Mauritius und Associated Press machte er sich schnell einen Namen und wurde so zu einem wichtigen Vertreter des frühen Bild­jour­na­lismus. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde er 1933 aus dem Reichsverband der Deutschen Presse ausgeschlossen, was praktisch einem Berufsverbot gleichkam. Durch die Unterstützung von Associated Press und durch unterschiedliche institu­tio­nel­le Förderungen konnte er aber zunächst weiterarbeiten. Doch schon 1936 war er darauf angewiesen, seinen Lebensunterhalt als Dozent für Fotografie an einer jüdi­schen Bildungsstätte zu verdienen. Seine Heirat mit Lipsy (Gertrude) Thumm und die daraus resultierende „privilegierten Mischehe“ schützten ihn zwar vor der Deportation, aber nicht vor Zwangsarbeit, die er von1941 bis 1945 leisten musste. Nach 1945 be­gann er sofort wieder für alle größeren deutschen Zeitungen zu fotografieren. Neben dieser Arbeit für die Presse entstanden nun auch Bildbände, vor allem mit Porträts be­rühmter Zeitgenossen und Berlin-Motiven. Er selbst hat sich stets als Chronist sei­ner Zeit betrachtet.

Obwohl in jüngster Zeit erste Publikationen über Fritz Eschen erschienen, ist sein viel­schichtiges fotografisches Werk heute weitestgehend unbekannt. Das gilt vor allem für seine bildjournalistische Arbeit, deren Bedeutung für die Pressefotografie nun im Rah­men des Thomas Friedrich-Stipendiums untersucht werden soll.

Die ausschreibende Institution

Die Berlinische Galerie ist eines der jüngsten Museen der Hauptstadt und sammelt in Berlin entstandene Kunst von 1870 bis heute. 1975 gegründet, von 1986 bis 1998 im Martin Gropius-Bau beheimatet, eröffnete das Landesmuseum 2004 in Nachbarschaft zum Jüdischen Museum sein eigenes Haus in einer großzügig umgebauten Industrie­halle mit 4.600 qm Ausstellungsfläche. Fotografie, Bildende Kunst, Grafik, Architektur und Künstler-Archive bilden die Grundlage für sammlungsspezifische Ausstellungen und aktuelle künstlerische Positionen aus Berlin.

In der Fotografischen Sammlung spiegelt sich der Beitrag Berlins für die Entwicklung der Fotografie von Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute wider. Schwerpunkte sind die Porträt- und Stadtfotografie, die neuen Tendenzen fotografischen Arbeitens in der Mo­der­ne, die Neuansätze der Autorenfotografie seit den siebziger Jahren, eine der qua­li­tätsvollsten Sammlungen zur Fotografiegeschichte der DDR und heraus­ragende Ar­bei­ten der zeitgenössischen Fotoszene. Mit ihren rund 83.500 Werken gehört sie zu den bedeutendsten Fotografischen Sammlungen Deutschlands.

Die Konditionen des Stipendiums

Das Stipendium beträgt 8.000 Euro für den Zeitraum 01.01. bis 31.12.2018. Für Ne­ben­kosten, die im Rahmen der Forschungstätigkeit anfallen (Reisekosten, Literatur etc.), steht zusätzlich ein Sachkostenbudget von bis zu 2.500 € zur Verfügung.

Die Stipendiatin/der Stipendiat verpflichtet sich mit der Annahme des Stipendiums, ei­nen wissenschaftlichen Aufsatz zu verfassen, der die Forschungsergebnisse auf ca. 30 Seiten zusammenfasst. Dieser Aufsatz ist am Ende des Stipendiums in deutscher Spra­che abzugeben und wird durch die Berlinische Galerie publiziert. Für die Autoren­schaft und die Einräumung der Rechte am Werk erhält die Stipendiatin/der Stipendiat zusätzlich ein Autorenhonorar von 4.500 €.

Die Voraussetzungen

Abgeschlossenes Hochschulstudium der Kunstgeschichte (Schwerpunkt Geschichte und Theorie der Fotografie) oder eine vergleichbare Qualifikation. Fundierte theo­re­ti­sche Kenntnisse der kunsthistorischen Forschungsmethodik und erste eigenständig durchgeführte Forschungsvorhaben. Zeitliche Verfügbarkeit im vorgesehenen Stipen­diumsjahr 2018. Ideal wären Erfahrungen und Vorkenntnisse zum ausgeschriebenen Forschungsthema.

Vollständige schriftliche Bewerbungsunterlagen mit Schriftenverzeichnis und einer Textprobe im Original erbitten wir bis zum 31. August 2017 an:

Berlinische Galerie, Personalservice
Stichwort: Thomas Friedrich-Stipendium
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin

Bewerbungsunterlagen werden nur zurückgesandt, wenn ein adressierter und aus­rei­chend frankierter Rückumschlag beigefügt ist.


--
Quelle: Berlinische Galerie