Stellungnahme zur geplanten "Harmonisierung" der Semesterzeiten

Nach einem Beschluß der Hochschulrektorenkonferenz vom Mai 2007 sollen die Semesterzeiten in Deutschland im Zuge einer internationalen 'Harmonisierung' ab 2010 vorverlegt werden. Das Wintersemester soll Anfang September beginnen, das Sommersemester Anfang März. Vorlesungsbeginn wäre jeweils am ersten Montag im Semester. Die vorlesungsfreie Zeit läge demnach im Januar/Februar und Juli/August.

Der Deutsche Archäologen-Verband und der Verband Deutscher Kunsthistoriker, Berufsverbände mit zusammen ca. 2800 Mitgliedern, sprechen sich nachdrücklich gegen eine Umsetzung dieses Beschlusses aus, da hiermit eine gravierende Verschlechterung der Forschungs-, Ausbildungs- und Lehrsituation verbunden wäre.

  • Der Übergang von Abitur zum Studium würde durch die verkürzte Bewerbungs- und Einschreibezeit erschwert.
  • Die Durchführung von Praktika, denen im Rahmen der neuen BA-Studiengänge eine besondere Bedeutung zukommt, würde nahezu unmöglich gemacht, da die Semesterferien weitgehend parallel zu den Schulferien lägen, in denen viele Betriebe/Einrichtungen geschlossen sind bzw. eingeschränkt arbeiten.
  • Juli/August eignen sich nicht für Exkursionen, Forschungsreisen und Feldforschungen, die für die denkmälerorientierten Wissenschaften wie die Archäologien und die Kunstgeschichte unverzichtbar sind. Erstens sind viele Einrichtungen wie Archive, Bibliotheken und Ämter geschlossen, zweitens ist es in vielen Ländern in dieser Zeit klimatisch zu heiß für Feldforschungen, und drittens sind die Reise- und Übernachtungskosten in Ferienzeiten stark erhöht. Archäologische Ausgrabungen lassen sich in den meisten Ländern Europas auch im Januar/Februar wegen der Witterungsverhältnisse nicht durchführen.
  • Wenn die vorlesungsfreie Zeit um ca. vier Wochen gekürzt würde (die Semester sollen den Plänen nach mindesten 16 Unterrichtswochen umfassen), bliebe zuwenig Zeit für die Forschung, zumal der Prüfungs- und Korrekturaufwand durch die Bologna-Reformen erheblich gestiegen ist. Außerdem fehlte die Zeit zur Durchführung von Fachtagungen, Exkursionen usw.
  • Es trifft nicht zu, daß die geplanten neuen Zeiten international üblich sind – vielmehr gibt es starke Schwankungen. Gegenwärtig erleichtert die mit einigen Ländern zeitversetzte Semestertaktung geradezu den Austausch und die Einladung von Gastwissenschaftlern.

Wie zahlreiche weitere Fachverbände und Berufsverbände appellieren der Deutsche Archäologen-Verband und der Verband Deutscher Kunsthistoriker daher eindringlich an die Hochschulrektorenkonferenz und an die Verantwortlichen in den Bundesländern und Universitäten, die Pläne zur Veränderung der Semesterzeiten fallenzulassen, damit Forschung und Lehre keinen Schaden nehmen.

 

Prof. Dr. Martin Bentz

Vorsitzender des Deutschen
Archäologen-Verbandes e.V.

c/o Abteilung für Klassische Archäologie
der Universität Bonn
Am Hofgarten 21
53113 Bonn
www.darv.de
Prof. Dr. Georg Satzinger

Erster Vorsitzender des Verbandes
Deutscher Kunsthistoriker e.V.

c/o Abteilung für Kunstgeschichte
der Universität Bonn
Regina-Pacis-Weg 1
53113 Bonn
www.kunsthistoriker.org