Thomas-Friedrich-Stipendium für Fotografie­forschung

Die Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur vergibt zum 1. Januar 2019 das THOMAS-FRIEDRICH-STIPENDIUM für Fotografieforschung.

Der Namensgeber
Das Stipendium ist nach Thomas Friedrich (1948-2011) benannt, Berliner Kurator, Verleger, Publizist und Fotografiehistoriker. Seine Leidenschaft für die Fotografie und sein Forscherinstinkt sind Vorbild und Aufforderung, um bisher unerforschte Sammlungsbestände der Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie aufzuarbeiten.

Das Stipendium wird auf Anregung und mit Finanzierung des international bekannten Sammlers und Fotografie-Förderers Manfred Heiting (The Heiting Library Trust) ermöglicht.

Ziel der Ausschreibung
Das Thomas-Friedrich-Stipendium soll jungen Wissenschaftler*innen die Möglichkeit geben, innerhalb eines Jahres substantielle Forschungsarbeit zu leisten und sich damit als Wissenschaftler*in zu profilieren.
Das Thema ist vorgegeben und wurde von einer Fachjury aus den Beständen der Fotografischen Sammlung entwickelt. Der*die Stipendiat*in soll eigenständig forschen – mit Zugang zur Bibliothek und zur Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie. Die Ergebnisse werden in einer vom Museum neu konzipierten zweisprachigen Publikationsreihe mit dem Titel „Forschungsberichte“ herausgegeben.

Das Thema - Robert Petschow und das Neue Sehen
Robert Petschow bereiste zwischen 1920 und 1939 ganz Deutschland mit dem Ballon, dem Zeppelin und später mit dem Flugzeug und wurde zum bekanntesten Luftbildfotografen zwischen den Kriegen. Das neue Interesse an diesem Spezialgebiet  – nach ähnlichen Versuchen Nadars im 19. Jahrhundert – entsprang dem verstärkten Interesse der Fotografie an ihren neuen Gebrauchsweisen.
Die aus dem lotrechten Winkel fotografierten Landschaften abseits der Ballungszentren sind anschaulich narrativ oder vorwiegend abstrakt und grafisch aufgebaut. Letzteres führte dazu, dass Petschows Arbeiten von der fotografischen Avantgarde zu den Protagonisten des Neuen Sehen gerechnet wurden.
Während seiner Militärzeit im 1. Weltkrieg war Petschow bereits Fesselballonfahrer und hatte dort das Fotografieren gelernt. Seine Aufnahmen erschienen in den 1920er Jahren in Fachzeitschriften über Luftfahrt, in den großen Zeitungen und Zeitschriften, aber auch in spezifischen Fotografie-Fachbüchern. So wurden seine Aufnahmen 1927 in dem neu gegründeten Jahrbuch „Das Deutsche Lichtbild“, und 1929 in dem Band „foto-auge: 76 fotos der zeit“ des Kunstkritikers und Fotografen Franz Roh veröffentlicht. Im selben Jahr nahm Petschow an der internationalen Werkbundausstellung „Film und Foto“ mit einer Reihe von Arbeiten teil. 1931 veröffentlichte Eugen Diesel sein legendäres Buch „Das Land der Deutschen“, das wesentlich nach Abbildungen von Luftaufnahmen Petschows konzipiert war.
1936 trat Petschow als Hauptmann der Luftwaffe erneut in die Armee ein. Am 2. Weltkrieg nahm er wiederum als Luftbeobachter teil. Sein Luftbildarchiv mit ca. 30 000 Negativen und 10-15 000 Diapositiven wurde nach Fürstenwalde ausgelagert und ging dort verloren. 1945 starb Robert Petschow in Haldensleben.
Obwohl Petschows Bilder immer wieder in Fotografieausstellungen zu finden sind und er in den großen Fotografie-Sammlungen der Welt vertreten ist, gibt es außer einem kurzen biografischen Eintrag in "Neue Deutsche Biografie" (2001) keine Publikation über ihn. Uns interessiert neben einer grundsätzlichen Untersuchung seiner Arbeit als Fotograf, vor allem die Verbindung zu den Protagonisten des Neuen Sehen.

Die ausschreibende Institution
Die Berlinische Galerie ist eines der jüngsten Museen der Hauptstadt und sammelt in Berlin entstandene Kunst von 1870 bis heute. 1975 gegründet, von 1986 bis 1998 im Martin Gropius-Bau beheimatet, eröffnete das Landesmuseum 2004 in Nachbarschaft zum Jüdischen Museum sein eigenes Haus in einer großzügig umgebauten Industriehalle mit 4.600 qm Ausstellungsfläche. Fotografie, Bildende Kunst, Grafik, Architektur und Künstler-Archive bilden die Grundlage für sammlungsspezifische Ausstellungen und aktuelle künstlerische Positionen aus Berlin.

In der Fotografischen Sammlung spiegelt sich der Beitrag Berlins für die Entwicklung der Fotografie von Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute wider. Schwerpunkte sind die Porträt- und Stadtfotografie, die neuen Tendenzen fotografischen Arbeitens in der Moderne, die Neuansätze der Autorenfotografie seit den siebziger Jahren, eine der qualitätsvollsten Sammlungen zur Fotografiegeschichte der DDR und herausragende Arbeiten der zeitgenössischen Fotoszene. Mit ihren rund 83.500 Werken gehört sie zu den bedeutendsten Fotografischen Sammlungen Deutschlands.

Die Konditionen des Stipendiums
Das Stipendium beträgt 8.000 Euro für den Zeitraum 01.01. bis 31.12.2019. Für Nebenkosten, die im Rahmen der Forschungstätigkeit anfallen (Reisekosten, Literatur etc.), steht zusätzlich ein Sachkostenbudget von bis zu 2.500 € zur Verfügung.
Der*die Stipendiat*in verpflichtet sich mit der Annahme des Stipendiums, einen wissenschaftlichen Aufsatz zu verfassen, der die Forschungsergebnisse auf ca. 30 Seiten zusammenfasst. Dieser Aufsatz ist am Ende des Stipendiums in deutscher Sprache abzugeben und wird durch die Berlinische Galerie publiziert. Für die Autor*innenschaft und die Einräumung der Rechte am Werk erhält der*die Stipendiat*in zusätzlich ein Autor*innenhonorar von 4.500 €.

Die Voraussetzungen
Abgeschlossenes Hochschulstudium der Kunstgeschichte (Schwerpunkt Geschichte und Theorie der Fotografie) oder eine vergleichbare Qualifikation. Fundierte theoretische Kenntnisse der kunsthistorischen Forschungsmethodik und erste eigenständig durchgeführte Forschungsvorhaben. Zeitliche Verfügbarkeit im vorgesehenen Stipendiumsjahr 2019. Ideal wären Erfahrungen und Vorkenntnisse zum ausgeschriebenen Forschungsthema.

Vollständige schriftliche Bewerbungsunterlagen mit Schriftenverzeichnis und einer Textprobe im Original erbitten wir bis zum 09.09.2018 an:

Berlinische Galerie, Personalservice
Stichwort: Thomas-Friedrich-Stipendium
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin

Bewerbungsunterlagen werden nur zurückgesandt, wenn ein adressierter und ausreichend frankierter Rückumschlag beigefügt ist.


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Quelle: Berlinische Galerie