Offener Brief:  Direktion des Kupferstich-Kabinetts der Staatlichen Kunstsammlungen

An den
Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen
Herrn Stanislaw Tillich
Sächsische Staatskanzlei
01097 Dresden

25.09.2009

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

mit Unverständnis und großem Befremden erfahren wir, daß die seit dem kürzlichen Weggang des bisherigen Direktors Prof. Dr. Wolfgang Holler vakante Direktion der Graphischen Sammlung Dresden nicht mehr wiederbesetzt, vielmehr in Personalunion von der neuen Leitung der Gemäldegalerie Alte Meister mitbetreut werden soll. Wir halten diese Entscheidung für einen schweren Fehler und fordern Sie dringlich dazu auf, alles dafür zu tun, daß sie korrigiert wird.

Das Dresdner Kupferstich-Kabinett ist von seiner Sammlung und seinem Sammelauftrag her ein eigenständiges Museum, die älteste selbständige Graphische Sammlung unseres Landes und eine der international bedeutendsten und reichsten Spezialsammlungen für Kunstwerke auf Papier.

Als solches ist es insbesondere in der jüngeren Vergangenheit mehrfach ausdrücklich gewürdigt worden, 2008 sogar mit der Wahl zum Museum des Jahres. Die bisherigen Direktoren der Sammlung – Prof. Holler und sein langjähriger Vorgänger Prof. Dr. hc. Werner Schmidt – sind weltweit anerkannte Fachleute für die Graphischen Künste. Ihre unbestrittene und einschlägige Kompetenz war Voraussetzung und Garant für das internationale Ansehen, für  die in Publikum und Fachwelt weithin wahrgenommene Wirkung der Graphischen Sammlung Dresden, die in zahlreichen erfolgreichen Ausstellungen, in wissenschaftlich hochwertigen Bestandskatalogen und Forschungsprojekten dokumentiert ist.

Der Verzicht auf eine eigene, für die Sammlungsbestände einschlägig ausgewiesene Direktion müßte zwangsläufig Gewicht und Kompetenzen dieses bedeutenden Spezialmuseums schmälern, das wahrlich eine besondere Preziose in der Krone der Dresdner Kunstsammlungen darstellt.

Qualitative Synergien zwischen den Aktivitäten einzelner Häuser eines Museumsverbundes erreicht man nach unserer festen Überzeugung gerade nicht dadurch, daß man durch Zusammenlegungen auf Direktorenebene die einschlägige, bewährte Spartenkompetenz und Eigenständigkeit zur Disposition stellt.

Wir fordern Sie deshalb sehr nachdrücklich auf und bitten Sie, alles dafür zu tun, daß die Direktorenstelle der Graphischen Sammlung Dresden ausgeschrieben und durch eine kompetente Findungskommission in demokratisch bewährtem Verfahren wiederbesetzt wird.


Mit vorzüglicher Hochachtung

Prof. Dr. Georg Satzinger                                      Prof. Dr. G. Ulrich Großmann
Erster Vorsitzender                                                Berufsgruppe Museen