Architektur im Wandel.
Interaktion und Infrastruktur der Stil­ent­wick­lung­en im 15. und 16. Jahrhundert

Donnerstag, 9. März 2017
9.00–15.45 Uhr, Chemie, HS 2

Leitung: Stefan Bürger, Würzburg / Ludwig Kallweit, Dresden / Bruno Klein, Dresden

Beschreibung

Im späten Mittelalter begann europaweit in der Kunst ein markanter Stilwandel, der wahrscheinlich der erste war, der überhaupt als ein solcher wahrgenommen wurde. Eine im Laufe von Jahrhunderten entwickelte und in der Praxis extrem verfeinerte Kunstproduktion – heute Spätgotik genannt – wurde mit einem neuen, philologisch geprägten Kunstdiskurs konfrontiert, dann von diesem begleitet, überlagert und zusehends abgelöst.
 
Die Übergangsphänomene sind äußerst komplex, so dass deren Untersuchung in dieser Sektion auf ein einzelnes Feld, nämlich dasjenige der Architektur, beschränkt werden soll. Doch ist gerade dieses Feld eines, in dem nicht bloß wegen des finanziellen Aufwands und der öffentlichen Wirksamkeit sehr unterschiedliche Akteure und Aktanten aufeinander trafen: International agierende Architekten und Architekturtheoretiker auf der einen Seite und lokal und regional vernetzte Künstler auf der anderen. Hofkünstlertum trat in Konkurrenz zu Zünften. Dombauhütten, die nach eigenem Recht organisiert waren, erhielten durch die Werkstätten der Schlösser und die Landesbauämter nicht nur organisatorische, sondern auch intellektuelle Konkurrenz. Eine durch Praxis und Anschauung geprägte Vermittlungskultur traf auf eine schriftlich dominierte. Das Verhältnis zwischen Auftraggebern und Architekten – bis dahin Werkmeister , und jenes zwischen Architekten und Handwerkern änderte sich fundamental. Und nicht selten wurden traditionelle Sehgewohnheiten in Frage gestellt. Innerhalb dieses Prozesses gab es Konfrontationen, fließende Übergänge, Kompromisse und wechselseitige Ergänzungen.
 
In der Sektion wird anhand signifikanter Fälle untersucht, wie sich diese Auseinandersetzungen an einzelnen Orten oder Baustellen vollzogen und welche Auswirkungen sie hatten. Dabei wird in besonderem Maße zu berücksichtigt, dass es lokal jeweils mentale, soziale und materielle Prägungen und auch Sehgewohnheiten gab, auf die es einzugehen galt, wenn die Bauprojekte ihre medialen Wirkungen entfalten sollten. Dennoch bleiben die Betrachtungen nicht isoliert, sondern fügen sind am Ende der Sektion in die europaweite »Infrastruktur des Stilwandels« ein.

Sektionsvorträge


9.00–9.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung

9.30–10.00 Uhr
Berthold Hub, Florenz
Filarete: Ein Florentiner »Architekt« unter Mailänder Baumeistern, »modo antico« versus »modo moderno«

10.00–10.15 Uhr
Diskussion

10.15–10.45 Uhr
Markus T. Huber, München
Der Regensburger Dombaumeister Matthäus Roriczer – ein Berufsleben zwischen Steinmetzhütte und Studierstube

10.45–11.00 Uhr
Diskussion

11.00–11.45 Uhr
Pause

11.45–12.15 Uhr
Alexander Kobe, Dresden
Straßburg – Erfurt – Meißen. Überlegungen zur Bedeutung der Mikroarchitektur für das Werk Arnolds von Westfalen auf der Albrechtsburg

12.15–12.30 Uhr
Diskussion

12.30–14.00 Uhr
Pause

14.00–14.30 Uhr
Tobias Thornstedt, München
Neapel in der zweiten Hälfte des Quattrocento – ein Versuchsraum der Renaissance

14.30–14.45 Uhr
Diskussion

14.45–15.15 Uhr
David Wendland, Dresden / María Aranda Alonso, Dresden / Christian Mai, Dresden / María José Ventas Sierra, Dresden
Das Gewölbe im Wappensaal der Albrechtsburg Meißen (1521): Einblicke in eine wun­derbare Maschine

15.15–15.45 Uhr
Diskussion