Graduiertenkolleg Bild und Zeit –
Ausschreibung von 12 Stipendien
eikones, der an der Universität Basel begründete Nationale Forschungsschwerpunkt Bildkritik, befasst sich mit der wissenschaftlichen Erforschung von Bildern und vereinigt mehr als 30 junge Wissenschaftler/innen zu gemeinsamer Arbeit. Zum 1.1.2009 sind 12 Stipendien für Promovierende zu vergeben, welche Interesse haben, ihre wissenschaftliche Qualifikationsarbeit im Rahmen des Graduiertenkollegs Bild und Zeit zu verfassen. Die Stipendien werden – bei positiver Zwischenevaluation – für 3 Jahre vergeben.
Bild und Zeit
Einführung
Das Graduiertenkolleg Bild und Zeit setzt sich zum Ziel, erstens die verschiedenen Schichten und Strukturen, in denen die Zeit für das Bild konstitutiv ist, zu untersuchen, zweitens die Zeitlichkeit des Bildes selbst zu analysieren und drittens zu fragen, inwiefern der Zeit selbst etwas Bildhaftes inhärent ist.
Bilder entstehen und vergehen, sie machen etwas sichtbar, stellen etwas in die Gegenwart, transportieren den Blick in vergangene oder zukünftige Zeiten oder gehören selbst anderen Zeitschichten an, so dass sie nicht mehr (adäquat) gesehen werden können. Die Produktion von Bildern ist ein Prozess, bei dem Zeit eingefangen, verdichtet oder aufgeteilt und fragmentiert wird. Dieser Prozess prägt das Bild; es ist Zeugnis seiner Entstehungsgeschichte und bildet dadurch Geschichte ab.
Im Ereignis der Wahrnehmung tritt das Bild als Zukünftiges in eine Erwartung. Die Antizipation ist Teil des Imaginationsprozesses, bei dem die Aufmerksamkeit das Bild abtastet, auf verschiedene Aspekte fokussiert und die Details zu einem Ganzen zusammensetzt. Dieses Bildersehen wird gelenkt von Schemen und Modellen des Denkens. Es wird auch gespeist von einem Vorratsspeicher an Bildern, die aus der Erinnerung abrufbar sind oder die getilgt und vergessen werden müssen.
Das Hauptaugenmerk aber, neben diesen produktions- und rezeptionsästhetischen Momenten, gilt der Zeitlichkeit des Bildes selbst: Die Bild-Zeit ist ein Augenblick, der sich in einer Dauer entfaltet. Sie ist ein Ereignis, das sich aus Serien von Blickfragmenten in einer Montage zusammensetzt. Sie ist ein Werden und Fliessen, in dem plötzlich ein Jetzt steht und die Erfahrung staut. Befragt werden sollen die verschiedensten Bildtypen, bis hin zu sprachlicher und literarischer Bildlichkeit.
Wenn in dieser Weise unterschiedlichste Zeitkonzeptionen mit dem Bild in Verbindung gebracht und in unterschiedlichen Bildtypen aufgespürt werden können - der Zeitpunkt, die lineare Zeitsequenz, die zyklische Zeit, die ausgestreute Zeit -, so wird im Durchgang durch die Bildkritik auch der Begriff der Zeit fraglich.
Die Ausschreibung richtet sich an Promovierende aus den Bereichen Philosophie, Soziologie, der Kunst-, Literatur-, Kultur-, Film- und Medienwissenschaften, der Ägyptologie, Islamistik (oder anderer Schriftkulturen), der Geschichte, Wissenschaftsforschung, Theologie sowie benachbarter Fächer, Psychologie, Natur- und Technikwissenschaften sowie an Forschende im Bereich Bildende Kunst und Designtheorie.
Mögliche Arbeitsgebiete
Erwünscht sind insbesondere Projekte zur Philosophie des Zeit-Bildes, zur Zeit-Zählung und zur Bild-Erzählung, zur Narratologie insbesondere auch im Bereich der Literaturwissenschaften sowie Projekte zum nichtästhetischen Bild in gesellschaftlichen Feldern wie z.B. Statistik, Medizin, Ökonomie (bildgebende Techniken, Sequenzen, Krankheitsverläufe, Konjunkturzyklen).
Des Weiteren begrüssen wir Projekte, die sich explizit mit dem Verhältnis von Bild und prozessualen Werkformen auseinandersetzen – sei es als Parameter materieller Transformationsprozesse (von Organisation und Zerfall eines Werkstoffs bis zur theatralen Performanz), sei es als Reflexion auf die historische Zeit der Produktion und Präsentation eines Werks (wie in den "institutionskritischen" Tendenzen), sei es als Aktivierung des Betrachters und seiner aktualen Wahrnehmungszeit, die in der Begegnung mit einer materiellen Situation erst das "Bild" des Werks konstituiert.
Wir sind auch an historischen Projekten interessiert, die sich auf die Rolle der Einbildungskraft in der Zeitkonstitution, auf das Verhältnis von Bild und historischer Zeit oder Bildgegenwart und Zeit der Produktion beziehen.
Forschungsvorhaben zum Thema Bild und Stimme bzw. zur Audiovisualität, insofern sie sich auf Aspekte der Temporalisierung beziehen, wären ebenso sehr willkommen.
Praktisch ausgerichtete Projekte – Forschung unter Einbezug der Herstellung von Bildern – aus dem Bereich der Kunst und des Design, könnten sich im Rahmen des Graduiertenkollegs zum Beispiel auf Entwurfsstrategien für das dokumentarische Bild, die Visualisierung von Zeitabläufen in informationsorientierten Bildern, Darstellung von Zeitabläufen im bewegten Bild oder in der Zeichnung beziehen.
Diese Vektoren für mögliche Projekte sind als Hinweise auf Forschungsdesiderate zu verstehen. Alle Projektideen, die das Thema Bild und Zeit auf innovative Weise zu entwickeln geeignet sind, werden wir eingehend prüfen.
Bewerbungsfrist: 19. Juli 2008
Bewerbungsbedingungen unter: www.eikones.ch/startstellen.html

