Exkursion 4: Chemnitz

8.30–17.30 Uhr
Treffpunkt: Ringstraße am Rathausplatz
(An- und Rückreise per Reisebus)
begrenzte Teilnehmerzahl, vorherige Anmeldung erforderlich

Chemnitz – Stadt der Moderne. Die architektonische und städtebauliche Prägung des »Sächsischen Manchester« durch die Industrialisierung – Fabriken, Villen, Stadterweiterungsgebiete


Leitung: Michael Streetz, Dresden / Thomas Morgenstern, Chemnitz

Chemnitz verfügt neben einer Vielzahl kulturhistorisch interessanter Stadtteile und hervorragender Einzelgebäude aus verschiedenen Epochen, auch über einen großen Bestand exzellenter Industriebauten. Als drittgrößte Stadt Sachsens, hielt Chemnitz in Industrie und Gewerbe im 20. Jahrhundert die Spitzenposition im Lande und war bis etwa 1900 das bedeutendste Zentrum des Maschinenbaus im Deutschen Reich. Chemnitz zählte auch bis Mitte des 20. Jahrhunderts weiter zu den führendsten Industriestädten in ganz Deutschland. Als »sächsisches Manchester« bezeichnet, wurde es gern mit der führenden Industriestadt im damals industriell hoch entwickelten England verglichen. Nicht unberechtigt, denn die Industrialisierung in Sachsen begann 1798–99 mit den Gründungen der ersten Baumwollmaschinenfabriken nach englischem Vorbild der Gebrüder Bernhard und von Wöhler & Lange im heutigen Chemnitzer Stadtgebiet. »Was in anderen Städten Kathedralen und Schlösser sind, das sind in Chemnitz die Paläste und Dome des Maschinenbaus und der Textilindustrie« (D. Guratzsch in »Die Zeit«). Hier fand das Repräsentations- und Inszenierungsbedürfnis eines aufstrebenden Bürgertums mit Beginn der Industrialisierung seinen auftrumpfenden, teilweise majestätischen Ausdruck. 450 Einzelbauten der Produktionsgeschichte wurden unter Denkmalschutz gestellt, 86 davon sind bereits in eine neue Nutzung überführt. Damit hat die sächsische Industriemetropole in Rekordzeit eine führende Rolle bei der Umnutzung von Industriedenkmalen in Deutschland übernommen. Mit dem Niedergang vieler Zweige der Großindustrie und des Maschinenbaus nach 1990, fiel eine große Zahl dieser meist denkmalgeschützten Produktionsgebäude brach. Die seit 1992 erfolgten Umnutzungskonzepte von bisher 86 Industriedenkmalen umfassen eine große funktionelle Palette: Büro-, Handels-, Kultur-, Sozial-, Gesundheits- und Dienstleistungseinrichtungen, für Wohnzwecke (Lofts) und auch für die Gastronomie. Die Exkursion führt zu einer Auswahl dieser sanierten und umgenutzten Industriedenkmale, aber auch zur Fabrikantenvilla »Haus Esche« 1902–03 von Henry van de Velde, über das Wohnviertel »Kaßberg« zur Industrieschule aus den Jahren 1924–28.