Kunst in der DDR

Leitung: Sigrid Hofer, Marburg

Beschreibung

Die Sektion stellt den vermeintlich geläufig gewordenen Kanon des sozialistischen Realismus in Frage. So nimmt J. Osmond eine ungewohnte Erweiterung des Kanons hinsichtlich der mustergültigen Maler des 19. Jahrhunderts vor, indem er Anton von Werner - von der Staatsideologie als "imperialistischer" Maler angefeindet - als Vorbild eines für die 3. Deutsche Kunstausstellung in Dresden geschaffenen Werkes reklamiert. Diese Ausstellung, die den Sieg der neuen Kunstdoktrin feierte, führte so gleichzeitig die geschichtsphilosophische Begründung des Kanons ad absurdum. Daß der Kanon trotz aller Maßregelungen und parteiamtlichen Beschlüsse nicht durchsetzbar war, wurde mit den Jahren immer offenkundiger. J. Bazins Beitrag verfolgt, wie sich die verbliebene Wirkungsmacht des sozialistischen Kanons in den siebziger und achtziger Jahren graduell aufweichte. Als sich aufgrund der Ausweitung der kulturellen Infrastruktur die Legitimierungsinstanzen vermehrten, wurden zunehmend differenter artikulierte Bewertungsmaßstäbe sichtbar, die im Werk von Berufs- und Laienkünstlern einen prinzipiell unterschiedlichen Reflex fanden. U. Goeschen, die sich vor allem mit der Modernerezeption auseinandersetzt, liefert schließlich ein Erklärungsmodell für die Preisgabe des sozialistischen Realismus, an dessen Stelle zuletzt die Formel von der "Kunst im Sozialismus" treten konnte. Das Beharren vieler Künstler auf die eigene deutsche Tradition einer engagierten, linken Kunst und die Notwendigkeit diese fortzusetzen, habe im Verbund mit nonkonformen Kunstwissenschaftlern, zu einer schrittweisen Akzeptanz ehemals formalistischer Positionen geführt. In komplementärer Ergänzung zu den realen Tendenzen der Kunstproduktion, rekonstruiert A. Jackes noch einmal das propagierte Kunstideal und die Erwartungen, die sich an dessen Programmatik knüpften. Hierzu dienen ihr die Planungen zu Halle-Neustadt, womit erstmal das Konzept einer "sozialistischen Idealstadt", das bis dato Utopie geblieben war, umgesetzt werden sollte. Ihr Augenmerk richtet sich vor allem auf die architekturgebundene Kunst, die ein integraler Bestandteil derartiger Projekte war und die Vermittlung staatspolitischer Dogmen sicherzustellen hatte.

Kunst in der DDR

Plenumsvortrag

Mittwoch, 25. März 2009, Auditorium Maximum

17.15 - 17.45 Uhr
Sigrid Hofer, Marburg
Dürer und die Konstruktion des Nationalen

17.45 - 18.00 Uhr
Diskussion

Sektionsvorträge

Donnerstag, 26. März 2009, Hörsaal 113, 9.00 - 13.00 Uhr

9.00 - 9.15 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung

9.15 - 9.45 Uhr
Jonathan Osmond, Cardiff
Anton von Werner als unerwarteter Teil des Kanons des Sozialistischen Realismus

9.45 - 10.15 Uhr
Jérôme Bazin, Amiens / Genf
Der schwache sozialistische Kanon im künstlerischen Feld der siebziger und achtziger Jahre

10.15 - 10.45 Uhr
Diskussion

10.45 - 11.15 Uhr
Pause

11.15 - 11.45 Uhr
Ulrike Goeschen, Paderborn
Vom 'Sozialistischen Realismus' zur 'Kunst im Sozialismus'. Die Rezeption der Moderne in Kunst und Kunstwissenschaft der DDR

11.45 - 12.15 Uhr
Anja Jackes, Halle (Saale)
Zur Konzeption und Realisierung von Kunstwerken in der sozialistischen Planstadt Halle-Neustadt

12.15 - 13.00 Uhr
Diskussion

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KHT

KANON - 30. Deutscher Kunsthistorikertag

30. Deutscher Kunsthistorikertag
25.-29. März 2009

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