Energiekonzept der Bundesregierung,
hier: energetische Sanierung von Baudenkmälern

Der Vorstand des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V. hat am 03.02.2011 den unten aufgeführten Brief bezüglich des Energiekonzeptes der Bundesregierung an zahlreiche Entscheidungsträger versandt. Zu den Adressaten gehören: der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, der Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, die Vorsitzenden aller Fraktionen im Deutschen Bundestag, der Erste Vorsitzende der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger, die Präsidentin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz sowie der Präsident des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS.



Herrn Bundesminister Dr. Peter Ramsauer


Sehr geehrter Herr Bundesminister,

Dem Energiekonzept der Bundesregierung zufolge soll in Deutschland der Energieverbrauch in Gebäuden bis zum Jahr 2050 auf einen nahezu klimaneutralen Stand gesenkt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sieht das Konzept neben durchaus sinnvollen Maßnahmen auch vor, den Abriss von Gebäuden finanziell zu fördern, wenn ein Neubau wirtschaftlicher als die Sanierung ist. An historische Baukultur im Allgemeinen wie an Baudenkmäler im Besonderen hat dabei offenbar niemand gedacht. Auch bei weiteren Regelungen bleiben scheinbar selbstverständliche Aspekte denkmalpflegerischen Handelns außen vor.

Der Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V. teilt die massiven Bedenken, die der Bayerische Landesdenkmalrat in einem offenen Brief gegen Regelungen anführt, die einer „Abrissprämie“ gleichkommen. Die Denkmalpflege hat in den vergangenen Jahren differenzierte Konzepte für eine energetische Sanierung von Baudenkmälern entwickelt, die auf vielfältige Weise einen angemessenen Beitrag zu einer auf Nachhaltigkeit ausgelegten Bau- und Energiepolitik wie zum Schutz unserer energetischen Ressourcen leisten. Sie verdienen angemessene Berücksichtigung in den politischen Verlautbarungen wie in den Förderrichtlinien. Mit dem aktuell diskutierten Konzept der Bundesregierung werden dagegen sinnvolle Entwicklungen als unrentierlich entwertet und Lösungen mit Augenmaß erschwert. Die Folge wäre ein unwiederbringlicher Verlust an Baudenkmälern wie an gestalterischen Qualitäten historischer Baukultur, ohne dass diesen Verlusten schon aus statistischen Gründen nennenswerte Einsparpotentiale gegenüberstünden. Dagegen muss sich der Verband Deutscher Kunsthistoriker mit Nachdruck verwahren.

Auch unter dem Aspekt einer ganzheitlicheren Betrachtung der Energiebilanz ist die „Förderung von Ersatzneubauten“ mit Entschiedenheit abzulehnen, während der Schonung der nicht nachwachsenden „Ressource Baudenkmal“ klare, gesetzlich abgesicherte Prioritäten einzuräumen sind. Hier erscheinen uns substanzielle Nachbesserungen unverzichtbar, wobei zur Lösungsfindung die Einbindung des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz wie der einschlägigen Fachverbände nachdrücklich empfohlen wird.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Georg Satzinger
Erster Vorsitzender
  Dr. Matthias Exner
Repräsentant der Berufsgruppe Denkmalpflege