Geschichte des Verbandes

Die Geschichte des auf dem ersten deutschen Kunsthistorikertag 1948 in Brühl gegründeten Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V. ist noch zu schreiben.

Der Verband war eine Neugründung, anders etwa als der im selben Jahr unter neuem Namen wiederbegründete Historikerverband. Er trat als Berufsverband an die Seite des noch vor dem ersten Weltkrieg ins Leben gerufenen, einem Forschungs- und Publikationsprogramm verpflichteten Deutschen Verein für Kunstwissenschaft e.V. mit dem Ziel, in Gestalt der Kunsthistorikertage ein nationales Forum des wissenschaftlichen Austausches zu bieten und zu aktuellen, das Fach betreffenden Fragen Stellung zu nehmen.

Angesichts der traditionell besonderen Internationalität des Faches hatten vor 1933 das Comité International d'Histoire de l'Art und die von ihm ausgerichteten Kunsthistorikertage Entsprechendes auf nationaler Ebene wohl überflüssig erscheinen lassen. Ein 1939 einberufener „Ausschuß Deutscher Kunsthistoriker“ verwirklichte die beabsichtige Gründung eines nationalen Verbandes nicht.

1948 wurde mit Hans Jantzen (1881-1967) ein erster Vorsitzender gewählt, der die Kontinuität einer – vermeintlich – politisch unbelasteteten Kunstwissenschaft vom Kaiserreich bis in die Nachkriegszeit zu verkörpern schien; er war bereits zweiter Vorsitzender des „Ausschusses“ gewesen. Seine Nachfolger Hans Kauffmann und Herbert v. Einem, auf deren und Heinrich Lützelers Initiative die Brühler Tagung zurückging, waren nicht zuletzt mit dem Deutschen Kunsthistorikertag 1960 in Basel (!) und dem Internationalen Kunsthistorikertag 1964 in Bonn besonders bemüht, die Verbindungen zu den zahlreich nach 1933 emigrierten Kollegen wiederanzuknüpfen.

Gesellschafts- und wissenschaftspolitische Aktualität von 1968 spiegelten sich in den offenen Konflikten, die zur Gründung des Ulmer Vereins auf dem Kunsthistorikertag in Ulm führten.

Seit Anfang der 90er Jahre ist der Verband zunehmend darum bemüht, seine Schlagkraft als Berufsverband zu stärken und seine Arbeit – nicht zuletzt auch durch die Einrichtung einer festen Geschäftsstelle – zu verstetigen und zu professionalisieren.

Literaturhinweis:
Nikola Doll, „Der erste deutsche Kunsthistorikertag 1948“, in: Kunstgeschichte im Nationalsozialismus. Beiträge zur Geschichte einer Wissenschaft zwischen 1930 und 1950, hg. v. Nikola Doll u.a., Weimar 2005, S. 325-337.

Berichte über die Kunsthistorikertage sowie die Protokolle der Mitgliederversammlungen sind in den jeweiligen Jahrgängen der Kunstchronik abgedruckt.

Kunsthistorikertage und dort gewählte Erste Vorsitzende  
1.
1948
Brühl, Schloß Augustusburg
Hans Jantzen
2.
1949
München, Schloß Nymphenburg
3.
1951
Berlin-Charlottenburg
4.
1952
Nürnberg
Hans Kauffmann
5.
1954
Hannover
6.
1956
Essen
Hans Kauffmann
7.
1958
Trier
8.
1960
Basel
Herbert v. Einem
9.
1962
Regensburg
(Mitgliederversammlung Bonn 1964)
Herbert v. Einem

10.
1965
Münster
(Mitgliederversammlung Münster 1966)
11.
1968
Ulm
Tilmann Buddensieg
12.
1970
Köln
13.
1972
Konstanz
Willibald Sauerländer

(Außerordentl. Mitgliederversammlung Nürnberg 1972)
14.
1974
Hamburg
15.
1976
München
Dietrich Ellger
16.
1978
Düsseldorf: Kunst-Wissenschaft-Öffentlichkeit
17.
1980
Mainz: Fragen heutiger Kunstgeschichte
Georg Friedrich Koch
18.
1982
Kassel
19.
1984
Stuttgart
Herwarth Röttgen
20.
1986
Berlin: Bewahren - Erklären - Gebrauchen. Die Kunstwissenschaft und das künstlerische Erbe
21.
1988
Frankfurt: Kunst-Geschichte-Moderne-Postmoderne
Dethard v. Winterfeld
1989 Darmstadt: Wissenschafliches Symposion Kultfigur und Mythenbildung
22.
1990
Aachen: Europäische Kunst - Kunst der Nationen
1992
Berlin: Mitgliederversammlung und
Forum: Die Kunstgeschichte über ihre Berufsfelder
Reinhold Baumstark
23.
1994
Dresden: Deutschland und seine östlichen Nachbarn
24.
1997
München: Die Inszenierung des Kunstwerks
Sybille Ebert-Schifferer
25.
1999
Jena: Neuzeiten
26.
2001
Hamburg: Was war Kunstgeschichte im
20. Jh.?
Gabi Dolff-Bonekämper
27.
2003
Leipzig: Kunst unter Künsten
28.
2005
Bonn: Zeitgenossenschaft als Herausforderung
Georg Satzinger
29.
2007
Regensburg
30.2009Marburg: KanonGeorg Satzinger
31.2011Würzburg: Genius loci