Exkursion 8: Hellerau

9.00–14.00 Uhr
Treffpunkt: Rathausplatz, Eingang Goldene Pforte (9.00 Uhr) oder Innenhof des Gebäudeensembles der Deutschen Werkstätten (9.45 Uhr)
begrenzte Teilnehmerzahl, vorherige Anmeldung erforderlich

Laboratorium der Moderne – Gartenstadt und  Festspielhaus Hellerau


Leitung: Henrik Karge, Dresden / Kai Kappel, Berlin / Nils M. Schinker, Dresden

In der Aufbruchstimmung des frühen 20. Jahrhunderts verfolgten in Hellerau bei Dresden eine Gruppe von Visionären das Ziel, eine ganze Stadt bauen zu wollen. Initiator war der sozial engagierte Unternehmer Karl Schmidt, dessen Erfolg bei der Möbelproduktion in der Verbindung von Handwerk und industrieller Fertigung begründet war. Bereits mit dem Maschinenmöbelprogramm »Dresdner Hausgerät« von 1906 wird der pragmatische und umfassende Anspruch deutlich, durch den Einsatz von Maschinen einen eigenen, durch Sachlichkeit und Funktionalismus gekennzeichneten Ausdruck zu finden und durch in Preis, Ausstattung und Gestaltung gestaffelte Möbelserien alle gesellschaftlichen Schichten an der neuen Wohnkultur teilhaben zu lassen. Diese Grundgedanken prägten auch den Bau der Mustersiedlung Hellerau ab 1909, bei welchem unter Mitwirkung von Gründungsmitgliedern des Deutschen Werkbundes ein alle Lebensbereiche umfassendes Reformprogramm verfolgt wurde. Dabei strebten die Protagonisten im »Laboratorium für eine neue Menschheit« (P. Claudel 1913) nach Erneuerung in den Bereichen Wohnungsbau, Städtebau, Ästhetik, Theater. In keiner Siedlungsgründung oder Stadterweiterung zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten aufbauend auf das Gartenstadtkonzept Ebenezer Howards die vielfältigen Ideen der Lebensreformbewegung so umfassend umgesetzt werden wie in Hellerau.

Die Exkursion beginnt mit einer Führung durch die Deutschen Werkstätten, dem weltweit aktiven und immer noch in Hellerau produzierenden Unternehmen, das auch heute wieder für höchste handwerkliche Qualität steht. Das Konzept der Siedlung wird im anschließenden Spaziergang durch das Kleinhaus- und das Landhausviertel mit den von unterschiedlichen Architekten gestalteten Straßenzügen vermittelt. Das Festspielhaus bildet mit einer eigenen Führung durch das Gebäude den Endpunkt der Exkursion.