Allgemeine Hinweise zur Selbstständigkeit als Kunsthistoriker/in

Das klassische Berufsbild "des" Kunsthistorikers an Universitäten, Museen oder Denkmalämtern hat sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Finanzmittel für die Festanstellung von Fachwissenschaftlern gingen kontinuierlich zurück. Projekte werden heutzutage zumeist über eigens dafür eingeworbene Drittmittel durchgeführt. Dementsprechend ist eine starke Zunahme befristeter Verträge zu verzeichnen, sei es im günstigsten Fall über ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis, sei es – und dies ist mehr und mehr der Normalfall – über Werkverträge oder als freier Mitarbeiter. Gleichzeitig ist eine gesteigerte Erwartung gegenüber den Kultureinrichtungen zu beobachten. Eine Welle publikumsträchtiger Sonderausstellungen macht sich gegenseitig Konkurrenz, Museumsnächte locken massenhaft Publikum an usw. – Ereignisse, die aus dem Kulturleben kaum wegzudenken sind. Parallel dazu werden Denkmalämter als Landesbehörden aufgelöst und die Aufgaben auf die regionalen Ebenen verlagert. Die Ämter sind bei schrumpfendem Etat und Personal immer stärker darauf angewiesen, Aufträge an freiberuflich tätige Kolleginnen und Kollegen zu vergeben. Die Vorteile des Outsourcing liegen für die Kulturinstitutionen also auf der Hand: Sie müssen sich nicht langfristig binden, werden mit ihren begrenzten finanziellen Ressourcen flexibler und können Etatkürzungen besser abfangen.

Auch wenn die Zahl der angebotenen Stellen begrenzt ist und die Vertragsangebote oft kaum das Existenzminimum abdecken, muß man sich bewußt sein, daß ohne die hoch qualifizierten Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker mit ihrer Einsatzbereitschaft große Teile des Kulturbetriebs schlicht zusammenbrechen würden. Ihnen wird ein hohes Maß an Flexibilität und Verantwortungsbewußtsein nicht nur gegenüber ihrem Projekt abverlangt, sondern auch im Hinblick auf ihre gesamte Lebensplanung. Die Qualität des kulturellen Angebots hängt aber nicht zuletzt von der Zahl leistungsbereiter Kunsthistoriker ab, deren Arbeit ihren angemessenen Preis hat. Entscheidend wird also künftig sein, die Honorare nicht allein an den notorisch knappen öffentlichen Haushalten auszurichten, sondern auch an der hohen Qualität der Leistungen der betroffenen Wissenschaftler.

Diese Seiten, die laufend ausgebaut werden sollen, dienen als eine erste Hilfestellung für alle Kolleginnen und Kollegen, die sich in ihrer Rolle als Freiberufler zurechtfinden wollen.