Auf der Suche nach der eigenen Identität.
Islamische Kunst und Architektur nach 1798

Samstag, 11.03.2017
9.00–16.15 Uhr, Hörsaalzentrum, HS 2

Leitung: Francine Giese, Zürich / Eva-Maria Troelenberg, Florenz

Beschreibung

Im 19. Jahrhundert verbindet sich die moderne Nationenbildung mit zunehmender imperialer Expansion - ein Vorgang, für den Bonapartes Eroberung Ägyptens 1798 als paradigmatischer Anfang stehen kann. Asymmetrische Prozesse der politischen und ästhetischen Weltaneignung verschränken sich mit weitreichenden sozio-politischen Veränderungen, die weltweit unterschiedlich, jedoch in Beziehung zueinander verlaufen. Diese Veränderungsprozesse betreffen in besonderer Weise die Islamische Welt, die einerseits zum fasziniert wahrgenommenen Topos westlicher Weltrezeption wird, andererseits nach Artikulationsformen einer eigenen Moderne sucht.

Die Sektion will diese Prozesse anhand ausgewählter Fallbeispiele aus der Malerei, Architektur und Fotografie des 19. Jh. bis 21. Jh. in modernen und historischen Schauplätzen der an Europa grenzenden Islamischen Welt kritisch beleuchten. Unterschiedliche historische und kulturelle Voraussetzungen sowie entsprechend unterschiedliche Prozesse und Strategien der Identitätsfindung bzw. des Identitätsverlustes zeigen dabei die Vielfalt künstlerischer und kultureller Praxis in islamischen Lebenswelten auf.

So wurden etwa die aus dem Orientalismus hervorgegangenen Darstellungsweisen und Bauformen ab der 2. Hälfte des 19. Jh. in der Islamischen Welt re-appropriiert oder gar als eine Strategie des Widerstandes eingesetzt. Zur gleichen Zeit waren Identitätsfragen in multi-ethnischen Kontaktzonen und in der islamischen Diaspora mit potenziell konfliktgeladenen gesellschaftspolitischen Debatten verbunden, die mitunter drastische Folgen für das kulturelle Erbe haben konnten.

Sektionsvorträge


9.00–9.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung

9.30–10.00 Uhr
Tobias Strahl, Abuja
Verdrängtes Erbe? – Zur Negation und Zerstörung des islamischen Kulturerbes auf der Balkanhalbinsel von Anfang des neunzehnten Jahrhunderts bis in die Gegenwart

10.00–10.15 Uhr
Diskussion

10.15–10.45 Uhr
Dzemil Bektovic, Skopje
Challenges of Islamic Art and Architecture in the Context of »Project Skopje 2014« – The War of Symbols or Monumental Visualization of Identity

10.45–11.00 Uhr
Diskussion

11.00–11.45 Uhr
Pause

11.45–12.15 Uhr
Laura Hindelang, Berlin
Transnationale Stadtplanung am Persischen Golf. Kuwait City als Beispiel einer städtebaulichen Debatte zwischen Modernisierung und identitärer Relokalisierung nach 1945

12.15–12.30 Uhr
Diskussion

12.30–14.30 Uhr
Pause

14.30–15.00 Uhr
Charlotte Bank, Genf
Commitment to Change: Early Modern Painters in Syria

15.00–15.15 Uhr
Diskussion

15.15–15.45 Uhr
Andrea D. Fitzpatrick, Ottawa
Subverting Symbols: Persepolis and Veils in the Art of Sadegh Tirafkan

15.45–16.15 Uhr
Diskussion