Kanonisierung und Globalisierung. Nationale und globale Aspekte in Kunst und Kunstdiskursen seit 1945

Leitung: Claudia Hattendorff, Gießen / Hubert Locher, Marburg

Beschreibung

Bestimmender Faktor der Weltpolitik und Weltwirtschaft seit Ende des Zweiten Weltkriegs ist die umfassende Globalisierung. Die zunehmende weltweite Vernetzung des zeitgenössischen Kunstbetriebs ist Folge und Teilphänomen dieser historischen Entwicklung. Vor diesem Hintergrund wird in der Sektion „Kanonisierung und Globalisierung“ untersucht, ob und wie in zeitgenössischer Kunst, zeitgenössischen Kunstdiskursen und -institutionen national und/oder transnational agiert wird und – möglicherweise – spezifische Kanones formuliert werden. Die Sektion will auch Gelegenheit bieten, die Frage nach der Möglichkeit und den Grundlagen einer globalen Kunstgeschichte zu diskutieren.

Zentrale Fragestellungen lauten unter anderem: Inwiefern kann man davon sprechen, dass sich im globalisierten Kunstbetrieb mittels Kanonbildung Identitäten herstellen, und wie sind diese beschaffen? Inwiefern bedeutet Globalisierung im Bereich der bildenden Künste nicht Viel-, sondern Einstimmigkeit, eine Einstimmigkeit, die national oder übernational konnotiert sein kann? Gibt es Tendenzen zur Bestätigung oder Reaktivierung nationaler Kanonbildungen? Lassen sich Ansätze zur Ausbildung eines neuen, genuin globalen Kanons erkennen, oder werden weltweite Normen im Kunstbetrieb von etablierten, westlichen Diskursen um Modernität determiniert? Mit welchen kulturellen und gesellschaftlichen Implikationen und Funktionen werden globale Normen vermittelt, und wie wird dieses Phänomen zeitgenössisch reflektiert?

Antworten auf diese Fragen werden in Beiträgen versucht, die das zeitgenössische Kunstsystem als Geflecht globaler, nationaler und regionaler Bezüglichkeiten thematisieren, die Revisionen künstlerischer Kanones in Zeiten dramatischer politischer Öffnung beschreiben und die Kanonbildungen aus dem Blickwinkel der ausgeschiedenen differenten Phänomene und der künstlerischen Verarbeitung dieser Negativ-Kanonisierungen untersuchen. Reflektiert werden auch methodische Grundlagen für eine Kanonerweiterung im Fach Kunstgeschichte im Sinne einer Verbindung von Transfer- und Vergleichsparadigma.

Kanonisierung und Globalisierung. Nationale und globale Aspekte in Kunst und Kunstdiskursen seit 1945

Plenumsvortrag

Mittwoch, 25. März 2009, Auditorium Maximum

15.15 - 15.45 Uhr
Kitty Zijlmans, Leiden
Globalisierung und Lokalisierung: zwei Seiten einer Medaille. Die heutige Kunstpraxis im Netzwerk multipler horizontaler und vertikaler Einbindungen

15.45 - 16.00 Uhr
Diskussion

Sektionsvorträge

Donnerstag, 26. März 2009, Hörsaal 5, 9.00 - 13.00 Uhr

9.00 - 9.15 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung

9.15 - 9.45 Uhr
Vera Beyer, Berlin
Gute Beziehungen? Zum Verhältnis von Transfer und Vergleich als Prämissen der Kanonerweiterung

9.45 - 10.15 Uhr
Alexandra Karentzos, Trier
Negativ-Kanonisierungen. Grenzfiguren in der globalisierten Kunst

10.15 - 10.45 Uhr
Diskussion

10.45 - 11.15 Uhr
Pause

11.15 - 11.45 Uhr
Bärbel Küster, Paris
Postkoloniale Perspektiven: Zeitgenössische 'afrikanische' Kunst zwischen Kunstmarkt und Universalismus

11.45 - 12.15 Uhr
Bettina Jungen, Zürich
Russische Kunst nach dem Sozialistischen Realismus. Identitätsbildung in einem globalisierten Kontext

12.15 - 13.00 Uhr
Diskussion

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