Appell zur Erhaltung des Museums Morsbroich in Leverkusen

Ge­mein­sa­mer  Ap­pell zur Er­hal­tung des Mu­se­ums Mors­broich in Le­ver­ku­sen von Ver­tre­tern der für die Be­wah­rung des kulturel­len Er­bes ein­tre­ten­den Ver­bän­de an die Minister­präsiden­tin des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len Frau Han­ne­lo­re  Kraft, an die Mi­niste­rin für Fa­mi­lie, Kin­der, Ju­gend, Kul­tur und Sport des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len Frau Chris­ti­na  Kampmann und an den Ober­bürger­meister der Stadt Le­ver­ku­sen Herrn Uwe Rich­rath vom 22. März 2016.  

   


An die
Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen
Frau Hannelore Kraft MdL

an die
Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport
des Landes Nordrhein-Westfalen
Frau Christina Kampmann

an den Oberbürgermeister der Stadt Leverkusen
Herrn Uwe Richrath

22. März 2016

Museum Morsbroich


Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin,
sehr geehrte Frau Ministerin,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

in der WDR 3-Sendung „Resonanzen“ vom 23. Februar 2016 wurde berichtet, dass der Stadt Leverkusen aufgrund eines Gutachtens der Prüfungsgesellschaft KPMG emp­foh­len wird, das Museum Morsbroich zur kommunalen Haushaltssanierung zu schließen. Dabei wird vor allem herausgestellt, dass es in unmittelbarer geografischer Nähe be­reits hinreichende Angebote gebe, sich mit zeitgenössischer Kunst auseinander­zu­set­zen. Die Notwendigkeit einer kulturellen Vielfalt in den regionalen Angeboten und die Relevanz des Schlosses als kulturhistorischer Ankerpunkt inmitten dieses zersiedel­ten industriellen Ballungszentrums finden dagegen offensichtlich nur wenig Beach­tung.

So ist besonders zu bedauern, dass dem Bedürfnis der regionalen Bevölkerung nach einer lebenswerten Umwelt, die in NRW als Kulturlandschaft auch mit industriell be­dingten widersprüchlichen Erscheinungsformen hervortritt, das ausgleichende Ele­ment der Kontemplation entzogen werden soll. Trotz der Magnetwirkung der größeren Ausstellungshäuser in der Region gelang es unter der Leitung von Dr. Markus Heinzel­mann mit einem ganz kleinen Team von nur drei Festangestellten und der Unterstüt­zung vieler ehrenamtlich Tätiger in den überregional wirksamen Ausstellungen unter Einbeziehung der international bedeutenden Künstler wie Andy Warhol, Robert Mother­well, Gerhard Richter und vielen anderen allgemein gesellschaftliche Themen zu be­setzen, welche neben dem kommerziellen Massengeschmack für unsere Gesellschaft und ihre Kultur von Bedeutung sind.

Allein das Ansinnen, mit einem schnellen Ausverkauf kurzfristig Haushaltslöcher stop­fen zu wollen, widerspricht dem gesellschaftspolitisch gebotenen Grundgedanken ei­ner ausgewogenen Ressourcen-Nutzung, bei der auch die Bewahrung der wesent­li­chen Eigenschaften, der Stabilität und der natürlichen Regenerationsfähigkeit des Kul­tur­lebens in der Stadt und der Region, für seine wirtschaftliche Attraktivität im Vorder­grund stehen muss. So würde das Befolgen der empörenden Sparvorschläge der Wirt­schaftsprüfer der Stadt Leverkusen zwar eine finanzielle Entlastung bringen, beschä­dig­te sie aber dauerhaft in ihrer Attraktivität, indem sie ihren Bürgerinnen und Bürgern sowie den nachfolgenden Generationen einen wichtigen Teil ihres kulturellen Erbes verweigerte und einer Plattform des Dialogs mit den Intellektuellen und freien Kultur­be­rufen der Gesellschaft beraubte. Auch Kunstverkäufe aus öffentlichem Besitz sind nach den Ethischen Richtlinien des Internationalen Museumsrats ICOM und nach dem Leit­fa­den „Nachhaltiges Sammeln“ des Deutschen Museumsbunds aus rein kommerziel­len Gründen niemals akzeptabel. Die Kunst gehört der Allgemeinheit und es kann nicht die Absicht gut geführter Kulturpolitik sein, hier aus kurzsichtigen Konsolidierungs­plä­nen heraus langfristig und irreversibel einzugreifen.

Die Kulturpolitik ist ein wesentlicher Eckpfeiler der Landespolitik. Irreparable Schäden am kulturellen Erbe schädigen nicht nur das Ansehen der jeweiligen Region, sondern bedrohen die Glaubwürdigkeit unseres Landes im In- und Ausland. Deshalb, sehr ge­ehrte Frau Ministerpräsidentin, sehr geehrte Frau Ministerin, sehr geehrter Herr Ober­bürger­meister, wenden wir uns als Vertreter der für die Bewahrung unseres kulturellen Erbes eintretenden Verbände an Sie mit dem Appell:

Setzen Sie alles daran, dass das Museum Morsbroich in Leverkusen erhalten bleibt und dass auch in den anderen Städten und Gemeinden in NRW ein Bewusstsein da­für entsteht, dass die bestehenden Museen unverzichtbar sind für das kulturelle Ge­dächt­nis und das aktuelle Leben in diesem Land!

Thomas Hammacher (Vorsitzender)
für den Bundesverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler e.V.

Prof. Dr. Kilian Heck (Erster Vorsitzender)
für den Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V.

Dr. Jan Raue (Präsident)
für den Verband der Restauratoren e.V.

Dr. Eckhard Trox (Vorsitzender)
für die Vereinigung der Westfälischen Museen e.V.

Regine Zeller M.A. (Vorsitzende)
für den Verband Rheinischer Museen e.V.

 

Bundesverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler e.V.
Melanchthonstraße 13, 10557 Berlin

Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V.
Weberstraße 59 a, 53113 Bonn

Verband der Restauratoren e.V.
Weberstraße 61, 53113 Bonn

Vereinigung der Westfälischen Museen e.V.
c/o Museen der Stadt Lüdenscheid, Dr. Eckhard Trox, Sauerfeldstraße 14, 58511 Lüdenscheid

Verband Rheinischer Museen e.V.
c/o Kunstmuseum Solingen gGmbh, Susanne Vieten, Wuppertaler Straße 160, 42653 Solingen