Globale Romantik

Freitag, 10. März 2017
9.00–15.45 Uhr, Hörsaalzentrum, HS 1

Leitung: Alexander Bastek, Lübeck / Michael Thimann, Göttingen

Beschreibung

Kaum eine Epoche der Kunstgeschichte erfreut sich derzeit einer so großen Beliebtheit wie die Romantik, deren »Wiederentdeckung« in Ausstellungen, Museumsgründungen und im internationalen Kunsthandel zelebriert wird. Speziell die deutsche Romantik gilt dabei allgemein als eine Epoche christlicher und »patriotischer« Kunst, in der nationale Stereotypen ausgebildet und tradiert wurden, indem Sujet- und Stilwahl spezifischen politischen, religiösen und kulturellen Zwecken angepasst waren. Der Kunsthistorikertag in Dresden, einem Gründungsort der literarischen und bildkünstlerischen Romantik um 1800, lädt dazu ein, die eingefahrenen kunsthistoriographischen Stereotypen kritisch zu diskutieren und das Phänomen »Romantik« in eine globale Perspektive zu stellen. Die Beiträge widmen sich dem Konzept von Globalität in Hinblick auf die Romantik und den transnationalen Austauschprozessen, dem Formen- und Motivtransfer, der Künstlermigration, den politischen und religiösen Identitäten sowie der Rolle »romantischer« Kunst in einer zunehmend globalisierten Welt des 19. Jahrhunderts. Sowohl durch individuelle Wanderungen wie durch Dampfschiffe, Eisenbahnen, Post und Kommunikation erfuhr nicht nur die Wahrnehmung der eigenen »Lokalität« (in Hinblick auf Natur, Mentalität, Religion und Kultur) einen grundlegenden Wandel, sondern die Künstler/-innen selbst machten von dieser erhöhten Mobilität und polyperspektivischen Wahrnehmung der Wirklichkeit für ihre Bildkonzepte Gebrauch. Gefragt wird etwa nach dem Entwurf neuer Ikonographien nach 1800, deren Verbreitung nationale Grenzziehungen weit überschreitet, sowie nach der transnationalen Konzeption von Stil in Hinblick auf die Nazarener als einem globalen Ausstrahlungsphänomen. Die in der Romantik aufgeworfenen Fragen von kultureller Identität und neuen künstlerischen Ausdrucksformen lassen sich von der Kunst- und Bildwissenschaft kaum noch mit den alten Erzählungen von den regionalen Schulen und dem genius loci paradigmatischer Orte wie Dresden, Wien und Rom erklären. Die Sektion möchte den Versuch wagen, die Kunst des 19. Jahrhunderts nicht nur in regionalen und nationalen Diskursmustern zu diskutieren, sondern die internationale Verflechtungsgeschichte in einem viel umfangreicheren Maß zu berücksichtigen.

Sektionsvorträge


9.00–9.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung

9.30–10.00 Uhr
France Nerlich, Tours
Entgrenzte Romantik – eine Romantik ohne Grenzen?

10.00–10.15 Uhr
Diskussion

10.15–10.45 Uhr
Hans Christian Hönes, London
Noahs Erben. Heilsgeschichte und Primitivismus in der Romantik

10.45–11.00 Uhr
Diskussion

11.00–11.45 Uhr
Pause

11.45–12.15 Uhr
Stefano Cracolici, Durham
The Overbeck Effect. Nazarene Art and Global Catholic Heritage

12.15–12.30 Uhr
Diskussion

12.30–14.00 Uhr
Pause

14.00–14.30 Uhr
Hubert Locher, Marburg
Der romantische Tourist

14.30–14.45 Uhr
Diskussion

14.45–15.15 Uhr
Carlos Idrobo, Greifswald
On Belonging and Identity Construction – Carl Philipp Fohr, Caspar David Friedrich and the Wanderer

15.15–15.45 Uhr
Diskussion