Globale Objektmigration und lokale Sammlungs­praxis.
Zu Problematik und Möglichkeiten der Prä­sen­tation transkultureller Objekte in west­lich­en Museen

Freitag, 10. März 2017
9.00–15.45 Uhr, Chemie, HS 1

Leitung: Vera Beyer, Wuppertal / Anja Grebe, Krems

Beschreibung

»Universalmuseen« und Museumsverbünde wie die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden stehen geradezu paradigmatisch für die Präsenz globaler Artefakte in europäischen Sammlungen. Aus Kirchenschätzen, fürstlichen Wunderkammern oder bürgerlichem Privatbesitz gelangten sie in die musealen Sammlungen der Moderne mit ihren spezifischen, im Verbund mit der universitären Kunstgeschichte entwickelten Ordnungsstrukturen. So herrschen in vielen Sammlungen kulturräumliche Kategorien wie z. B. »asiatische«, »islamische« oder »afrikanische« Kunst vor, und häufig werden Artefakte weiterhin nach »Kunst«, »Kunsthandwerk« und »Ethnologica« differenziert und entsprechend getrennt voneinander präsentiert.

Im Zuge des wachsenden Interesses an einer globalen Kunst rückt diese nicht allein als Repräsentantin von Kunst jenseits der westlichen Welt in den Blick. Es wird auch verstärkt nach den transkulturellen Biografien, Transfers und Bezügen gefragt – und danach, ob sie in den kulturräumlichen und kunsthistorischen Kategorien der westlichen Museen aufgehen. Ist eine hebräische Handschrift von Ibn-Sinas Kanon der Medizin, die in Italien herstellt wurde, ein italienisches, islamisches oder jüdisches Werk? Ist ein Teppich, der nach der christlichen Eroberung Spaniens von arabischen Handwerkern hergestellt wurde, »islamische Kunst« oder »europäisches Kunsthandwerk«? Und wie verhält es sich mit einer chinesischen Porzellanvase mit barocker Zinnmontur?

Die Sektion fokussiert solche transkulturellen Bezüge und Biographien und geht der Frage nach, wie diese in kulturräumlich organisierten Sammlungen ver­mittelt werden. Welche Möglichkeiten – beispielsweise einer von den Objekten ausgehenden Reflexion der Geschichte und Kategorien einer Sammlung – bietet dies, aber auch: Welche Risiken, etwa einer erneuten Universalisierung von Kunst, impliziert es? Können den Besuchern Alternativen zu homogenen Identitätskonstruktionen angeboten werden?

Sektionsvorträge


9.00–9.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung

9.30–10.00 Uhr
Isabelle Dolezalek, Berlin
Von Olifanten und Schubladen. Mediterrane Artefakte des 10.–12. Jahrhunderts in Berliner Sammlungen

10.00–10.15 Uhr
Diskussion

10.15–10.45 Uhr
Eva Ehninger, Basel
Indien im Modell

10.45–11.00 Uhr
Diskussion

11.00–11.45 Uhr
Pause

11.45–12.15 Uhr
Barbara Karl, St. Gallen
Portuguese Product Development in Bengal: A Case Study from the Sixteenth/Seventeenth Century

12.15–12.30 Uhr
Diskussion

12.30–14.00 Uhr
Pause

14.00–14.30 Uhr
Christian Saehrendt, Thun
Die bildende Kunst als Ferment für das sozialistische Weltsystem. Künstler- und Ausstellungsaustausch zwischen der DDR und Angola, Mosambik und Äthiopien 1975–1988

14.30–14.45 Uhr
Diskussion

14.45–15.15 Uhr
Claudia Brink, Dresden
Spuren der Welt – Von der Kunstkammer zur musealen Präsentation am Beispiel Dresdens

15.15–15.45 Uhr
Diskussion