Subkultur. Das kritische Vergnügen an Alternativen
Leitung: Dietmar Rübel, Marburg
Beschreibung
Das 20. Jahrhundert zeichnete sich durch zahlreiche soziale, künstlerische und wissenschaftliche Bewegungen aus, deren Ziel es war, jenseits der jeweils ‚herrschenden‘ Kultur zu operieren. Die Mitglieder dieser unter dem Begriff Subkultur zusammengefassten Szenen haben sich im Hinblick auf zentrale Normen deutlich von einem gesellschaftlich hegemonialen Kanon abgehoben; sie verweigerten sich einer Integration und attackierten Institutionen. Dabei ging es darum, eigene Kunst- und Lebensformen gegenüber der jeweiligen normativen Öffentlichkeit als Gegenkulturen zu etablieren. Die Ästhetik der Subkulturen zeichnet sich durch Angriffe auf den so genannten guten Geschmack kanonischer Formen aus. Das heißt: Subkulturen bringen die Ordnungen des Normalen zur Erscheinung. Die Hoffnung auf Effekte kultureller Opposition ist seit den 1990er Jahren, im Zuge einer immer weiter fortschreitenden Ausdifferenzierung der kulturellen Sphäre, Modellen multipler Kulturen gewichen – diesen geht es eher darum, dominante Strukturen umzulenken oder zu infizieren. Zu fragen ist nun: Inwieweit sind die Gegenstände und Themen von Subkulturen auch in der Kunstgeschichte als epistemologische und ästhetische Alternativen angekommen?
An subkulturellen Bewegungen, insbesondere ihrem Scheitern, können historische Kanon-Diskurse geradezu ideal verfolgt werden. Die Kunstgeschichte steht in einem besonderen Verhältnis zur Subkultur, adelte sie doch lange Zeit Außenseitertum im Geniekult oder formiert das ‚Neue‘ und ‚Andere‘ zur Avantgarde. Die zu behandelnden Fragen reichen von einem gesellschaftlich notwendigen Minimum gemeinsamer kultureller Zeichen und Praktiken über Debatten zum Selbstverständnis und zur Repräsentanz des Fachs bis hin zu Reflexionen ästhetischer Kategorien – etwa der Auflösung überkommener Gattungsgrenzen. Anhand von Fallbeispielen sollen Alternativen zur hegemonialen Ästhetik der jeweiligen Zeit und die Übernahme bzw. Verwerfung einzelner subkultureller Projekte untersucht werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei die kritische Haltung zahlreicher Gegenkulturen gegenüber ökonomischen Verwertungszusammenhängen: Nicht zuletzt könnte sich als lohnenswert erweisen, die gegenwärtigen Interessen des Kunstmarkts an einer starken Kanonbildung zu untersuchen sowie die Mechanismen, mit denen die Codes und Stile der Subkulturen assimiliert und in allgemeinverständliche, leichter konsumierbare Gebrauchsformen eines generationenübergreifenden Massengeschmacks überführt werden. Ein Schwerpunkt soll auf künstlerischen Strategien liegen, die betonen, dass klare Trennungen zwischen Hoch- und Subkultur nicht mehr funktionieren. Oder handelt es sich dabei um eine Angleichung, die ungesehen nur die herrschenden Strukturen affirmiert? Ist es nicht an der Zeit, wieder klar voneinander abgehobene Alternativen zu formulieren, um eine kulturpolitische Ordnung „jenseits der Hegemonie“ zu diskutieren sowie das kritische Vergnügen an widerspenstigen Formen des Wissens und der Künste zu erleben?
Subkultur. Das kritische Vergnügen an Alternativen
Plenumsvortrag
Donnerstag, 26. März 2009, Auditorium Maximum
17.45 - 18.15 Uhr
Petra Lange-Berndt, London / Dietmar Rübel, Marburg
„Allein machen sie dich ein“. Auf der Suche nach experimentellen Handlungsfeldern jenseits des Hegemonialen
18.15 - 18.30 Uhr
Diskussion
Sektionsvorträge
Freitag, 27. März 2009, Hörsaal 114, 9.00 - 13.00 Uhr
9.00 - 9.15 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung
9.15 - 9.45 Uhr
Henning Engelke, Frankfurt a. M.
Die Politisierung des Ästhetischen im New Yorker Underground-Film. 'Flaming Creatures' und 'Star spangled to Death'
9.45 - 10.15 Uhr
Ilaria Hoppe, Berlin
Street Art als urbane ästhetische Praxis
10.15 - 10.45 Uhr
Diskussion
10.45 - 11.15 Uhr
Pause
11.15 - 11.45 Uhr
Bettina Uppenkamp, Hamburg
Park Fiction: Subkultur und Gartenkunst in St. Pauli
11.45 - 12.15 Uhr
Ulrike Bergermann, Köln
Transgender Pictures
12.15 - 13.00 Uhr
Diskussion
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