Methoden des Diversen?
Transkulturelle Theoriemodelle der Kunst­ge­schichte

Donnerstag, 9. März 2017
9.00–15.45 Uhr, Hörsaalzentrum, HS 2

Leitung: Alexandra Karentzos, Darmstadt / Bärbel Küster, Berlin

Beschreibung

Die Spannung zwischen Globalität und Lokalität verdeutlicht, dass die regionalen Kunstgeschichten von weltweiten Faktoren nicht abzulösen sind und ›Globalkunst‹ auch lokale (und sei es multi-lokale) Bezüge aufweist. Die Kunstgeschichte steht angesichts der ›entangled histories‹ methodisch vor enormen Herausforderungen. Die Sektion möchte verschiedene theoretische und methodische Ansätze einer neuen transkulturellen Kunstgeschichte und ihre fachspezifischen Implikationen diskutieren:
 
1. Eine transkulturelle, dezentrierte globale Kunstgeschichtsschreibung muss sich auch transdisziplinär ausrichten: Mit Blick auf die Fachgeschichte sollen historische Ansätze für die heutige Situation neu bewertet werden, denn bereits um 1900 führten Impulse aus anderen Disziplinen zu methodischen Öffnungen des Faches. Heutige kritische Debatten zu Übersetzungsprozessen, Blick-, Visualisierungs- und Repräsentationsstrategien entstanden aus Ansätzen der Kulturwissenschaften, der Ethnologie und Literaturwissenschaften. Es gilt die methodischen Transfers ebenso zu diskutieren wie Differenzen und methodischen Stärken der Kunstgeschichte und Kunstwissenschaften.
 
2. Kritisch zu fragen ist nach dem kunstwissenschaftlich-methodischen Zugriff auf aktuelle Kunstpraktiken in verschiedenen globalen Kontexten. Wie verhält sich die Kunstwissenschaft dazu, dass sich gegenwärtige Kunst ihrerseits auf kritische und zum Teil ironische Weise mit epistemologischen Prinzipien und Wissensordnungen auseinandersetzt? Inwiefern fordert dieser Umstand zu einer Selbstreflexion der Kunstwissenschaft und zu einem Überdenken von Analysekategorien sowie von Raum- und Zeitkonzepten heraus? Wie verändern unterschiedliche Darstellungsformen in der Kunst, wie etwa die Kartographie, auch die Begrifflichkeiten der Kunstwissenschaft?
 
3. Internationale Forschungskooperationen bieten die Möglichkeit, Kunstgeschichte aus vielen Teilen der Welt gleichzeitig zu schreiben. Die methodischen Implikationen multiperspektivischer Forschung sollen reflektiert werden. Eine Pluralisierung der Perspektiven erfordert, Begriffe und Methoden zu überdenken. Zur Debatte stehen etwa Formate einer »Oral Art History« im Verhältnis zu Künstlerinterviews, Formen der Kollaboration und Partizipation in der Kunstpraxis aber auch in Beiträgen zu Forschung und Theoriebildung im transkulturellen Austausch.
 
Die Sektion beleuchtet Transkulturalität in Hinblick auf unterschiedliche Methoden und Theorien.

Sektionsvorträge


9.00–9.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung

9.30–10.00 Uhr
Anna Brus, Siegen
Julius Lips und die Zeitgenossenschaft der globalen Moderne

10.00–10.15 Uhr
Diskussion

10.15–10.45 Uhr
Mona Schieren, Bremen
Transkulturelle Übersetzung und Sprachbilder zur Beschreibung kultureller Austauschprozesse

10.45–11.00 Uhr
Diskussion

11.00–11.45 Uhr
Pause

11.45–12.15 Uhr
Birgit Hopfener, Heidelberg
Disjunktive Zeitgenossenschaft: Kartographien transkultureller zeitgenössischer Kunstgeschichte

12.15–12.30 Uhr
Diskussion

12.30–14.00 Uhr
Pause

14.00–14.30 Uhr
Verena Rodatus, Berlin
Zeitgenössische Kunst in Benin und Oral Art History. Einige forschungsmethodische Überlegungen

14.30–14.45 Uhr
Diskussion

14.45–15.15 Uhr
Didier Houénoudé, Cotonou / Kerstin Schankweiler, Berlin
L’Expérience Critique de Recherches Collaboratives – Gemeinsame Feldforschung als transkulturelle Praxis der Kunstgeschichte

15.15–15.45 Uhr
Diskussion