Videomitschnitt der Podiumsdiskussion
„Der Fall Gurlitt – Was hat die Kunst­ge­schich­te daraus gelernt?“ vom 04.07.2014 in Bonn

Kein anderes Thema hat in vergleichbarer Weise wie der „Fall Gurlitt“ das Feuilleton der letzten Monate dominiert. Vor allem eines haben die tagesaktuellen Debatten um Restitutionen, Provenienzen, Werkverzeichnisse oder Looted Art immer wieder gezeigt: Die Institutionen wie der Kunsthandel, die Museen, aber auch die Universitäten, weiter­hin die öffentlichen Medien sind auf höchst unterschiedliche Weise darauf vorbereitet, sich kompetent zu den an sie gestellten und mit immer größerer Intensität vorgetrage­nen Fragen zu äußern.
Das nahm der Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V. zum An­lass, eine Podiumsdis­kussion einzuberufen. Es galt kritisch und selbstkritisch danach zu fragen, wie das Fach Kunstgeschichte angemessen auf diese Fragen reagieren kann, auf die es bislang nur unzureichend zu antworten in der Lage ist. Können etwa neue Studien­gänge oder zumindest Studienmodule wie solche zur Provenienz­forschung neben den kunsthistorischen Kompetenzen im engeren Sinne etwa auch juristische und ethische Aspekte vermitteln? Wie kann angesichts der weitgehend theo­retischen Ausrichtung des Faches in den letzten Jahrzehnten wieder eine Nähe zum „Original“ hergestellt werden, welche den Studierenden überhaupt erst das nötige Wissen zur Beurteilung der Werke vermittelt? Und wie kann schließlich eine Forschung am Objekt unabhängig von wirtschaftlichen und politischen Vorgaben ausgerichtet sein? Die Bonner Veranstaltung versteht sich als ein Auftakt für diese notwendige Diskussion.

Videomitschnitt

 

Programm

Begrüßung
Kilian Heck, Greifswald

Impulsreferate

Museen:
G. Ulrich Großmann, Nürnberg

Kunsthandel:
Johannes Nathan, Berlin

Hochschulen:
Kilian Heck, Greifswald

Podiumsdiskussion

Friederike Gräfin von Brühl, Berlin
Stefan Koldehoff, Köln
Gilbert Lupfer, Dresden
Isabel Pfeiffer-Poensgen, Berlin

Moderation:
Kilian Heck, Greifswald
 und
Barbara Welzel, Dortmund

 

Teilnehmer


Dr. Friederike Gräfin von Brühl
ist Kunsthistorikerin und Rechtsanwältin bei der Anwaltssozietät K&L Gates LLP in Ber­lin mit den Schwerpunkten Urheberrecht und Kunstrecht. Sie ist beratend tätig in allen rechtlichen Aspekten des Kunstmarktes und spezialisiert auf Fälle von Restitu­tio­nen und Kunstfälschungen. Seit 2010 hat sie einen Lehrauftrag am Kunsthistorischen Institut der FU Berlin für das Seminar „Kunst und Recht“. 

Stefan Koldehoff
ist Kulturredakteur beim Deutschlandfunk in Köln und zudem als freier Autor für über­re­gionale Zeitungen tätig. Als Journalist und Publizist veröffentlichte er zahlreiche Beiträ­ge und Sachbücher zum Themenfeld Kunstmarkt, Kunstfälschung und NS-Raubkunst.

Prof. Dr. Gilbert Lupfer
ist Leiter der Abteilung Forschung und wissenschaftliche Kooperation an den Staatli­chen Kunstsammlungen Dresden. Er ist dort seit 2008 für das Pro­ve­nienz­recherche-, Erfassungs- und Inventarisierungsprojekt „Daphne“ verantwortlich und lehrt zudem an der TU Dresden.

Dr. Johannes Nathan
ist Geschäftsführender Gesellschafter der Nathan Fine Art, Berlin/Zürich und unter­rich­tet als freischaffender Kunsthistoriker, zuletzt an den Universitäten von Zürich, Köln und Berlin. Er ist Vorstandsmitglied des Kunsthandelsverbandes der Schweiz und Mitbe­grün­der des Forums Kunst und Markt an der TU Berlin. Mit dem de Gruyter Verlag erar­beitet er aktuell ein Lexikon des Kunstmarkts.

Isabel Pfeiffer-Poensgen
studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Rechtswissenschaften und war von 1999 bis 2004 Beigeordnete für Kultur und Soziales der Stadt Aachen. Seit 2004 ist sie Ge­neralsekretärin der Kulturstiftung der Länder, die sich für die Bewahrung, Vermittlung und den Erhalt des nationalen Kulturerbes einsetzt.

Prof. Dr. G. Ulrich Großmann
ist Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg sowie Reprä­sen­tant der Berufsgruppe Museen im Vorstand des Verbands Deutscher Kunsthistori­ker. Seit 2012 ist er Präsident des International Committee of the History of Art (CIHA). An der Universität Bamberg lehrt er u.a. auch zur Provenienzforschung.

Prof. Dr. Kilian Heck
ist Hochschullehrer an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald sowie Erster Vor­sitzender des Verbands Deutscher Kunsthistoriker. Zu seinen Forschungs­schwer­punk­ten zählen u.a. Kunst und Kunsttheorie der Romantik sowie die Restitutions- und Pro­venienzforschung.

Prof. Dr. Barbara Welzel
ist Hochschullehrerin an der TU Dortmund sowie Repräsentantin der Berufsgruppe Hoch­schulen und Forschungsinstitute im Vorstand des Verbands Deutscher Kunst­histo­riker. Sie forscht und lehrt u.a. zur deutschen und niederländischen Kunst­ge­schich­te des 15.–17. Jh.s, zum kulturellen Gedächtnis sowie zu Kunstgeschichte und Bildungsfragen.