Werkstätten, Ateliers, Akademien. Transformationsorte der Kunst

Freitag, 10. März 2017
9.00–15.45 Uhr, Hörsaalzentrum, HS 2

Leitung: Valentine von Fellenberg, Lausanne/Bern / Andreas Tacke, Trier

Beschreibung

Wie durch ein Brennglas lassen sich zentrale Aspekte gleichzeitig lokaler und globaler Perspektive in dieser Sektion bündeln, die Fragen der Ausbildungs- und Produktionsstätte des Künstlers, der Künstlerin untersucht. Und dies über Gattungs- und Epochengrenzen hinweg.

Die Transformationsorte der Werkgenese und der Künstlerkarriere fallen oft zusammen. Kunstwerke werden in privaten Ateliers erschaffen oder in institutionalisierten Werkstätten produziert, die ihrerseits als Räume bewußter oder unbewußter Kunsttradierung fungieren. Diese Ausbildungsorte variieren in Abhängigkeit von Epoche und geografischer Lage, didaktischen Gepflogenheiten und Kunstformen.
In den unterschiedlichen Tradierungsformen übernimmt der Künstler verschiedene Rollen. Immer aber ist er eine normbildende Autorität, die sich auf die Karriere der Schüler auswirkt und sie zu Nachahmern, zu lehrresistenten Individuen oder zu innovativen Künstlerpersönlichkeiten macht, die ihrerseits zum Lehrer werden oder in Vergessenheit geraten. Die individuellen bzw. gemeinschaftlichen und die auf Nachahmung beruhenden bzw. intellektuell vermittelten Tradierungsformen führen zu kunstgeografischen Netzwerken im Kleinen wie im Großen. Daraus resultieren u. a. die Muster der international anerkannten Künstlerpersönlichkeiten, in deren Schatten zahlreiche Schüler stehen, kunstsoziologische Entwürfe oder lokale Kunstzentren. Diese prägen die Kunstgeografie und können ihre Ortsspezifik zugunsten einer gesellschaftlichen Allgemeingültigkeit aufgeben.

Analytische Beiträge mit verschiedenen theoretischen Ansätzen und, damit verschränkt, empirischen Studien zeigen die Mechanismen solcher mittelalterlicher und neuzeitlicher »Transformationsorte« auf. Sie erörtern die Fragen, wie sich die Tradierungsformen auf die Kunstentwicklungen auswirken und inwieweit Künstler als Lehrer auf die Kunstgeschichte einwirken. Ziel ist, aus einer topografischen und dynamischen Perspektive und mit einem breiten methodischen Spektrum die Prozesse zwischen lokalen, regionalen, nationalen und globalen Kunsttraditionen in den verschiedenen Epochen besser zu verstehen.

Sektionsvorträge


9.00–9.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung

9.30–10.00 Uhr
Julia Trinkert, Düsseldorf
Transformationsorte der Kunst identifizieren. Überlegungen zu Untersuchungsansätzen der mittelalterlichen Kunstproduktion in Mecklenburg und Sønderjylland

10.00–10.15 Uhr
Diskussion

10.15–10.45 Uhr
Claudia Jentzsch, Berlin
Traditionalismus, Übernahme, Transformation: Die Werkstatt Neri di Biccis und die Florentiner Malerei des Quattrocento

10.45–11.00 Uhr
Diskussion

11.00–11.45 Uhr
Pause

11.45–12.15 Uhr
Nino Nanobashvili, München
Transformation des Wissens in einer informellen Akademie. Das Aktzeichnen unter Filippo Esengren

12.15–12.30 Uhr
Diskussion

12.30–14.00 Uhr
Pause

14.00–14.30 Uhr
Allison M. Stagg, Berlin
The European Influence on Early American Artists during the Late 18th Century

14.30–14.45 Uhr
Diskussion

14.45–15.15 Uhr
Martina Sitt, Kassel
Kunst-Genese und Netz-Werke bei Tischbeins Künstlerinnen oder: Was ein »aufgeklärter« Akademiedirektor 1777 bewirken konnte

15.15–15.45 Uhr
Diskussion