Veranstaltungskalender

Veranstaltungskalender

Nürnberg, 01.–02.10.2018

Der Verband Deutscher Kunsthistoriker 1948 bis 1968/70.
Die ersten zwanzig Jahre seines Bestehens

Die Fachgeschichte der Kunstgeschichte war in den letzten dreißig Jahren vielfach Gegenstand der Forschung. So wurde das Schicksal der exilierten Kolleginnen und Kollegen ebenso untersucht wie die Geschichte der Disziplin als Universitätsfach. Hingegen war die Vergangenheit des 1948 gegründeten Verbandes Deutscher Kunsthistoriker bislang noch nicht Gegenstand einer ausführlichen Betrachtung. Der Verband nimmt das zum Anlass, im Jahre seines 70-jährigen Bestehens und damit vergleichsweise spät, erstmals die eigene Geschichte in den Blick zu nehmen. Mithilfe des im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg lagernden Verbandsarchivs sollen erste Untersuchungen am Quellenmaterial unternommen werden und in durchaus als vorläufig zu verstehenden Beiträgen die Grundlage für eine noch zu verfassende Verbandsgeschichte gelegt werden.

Die Vorgeschichte des Verbandes reicht bis in die Zeit des Nationalsozialismus zurück. Im Jahre 1938 versuchte Wilhelm Pinder erfolglos, den „Verband deutscher Kunstwissenschaftler“ mit für die NS-Zeit typischen Merkmalen, etwa einem Paragraphen zum Reichsbürgergesetz als Bestandteil der Nürnberger Rassengesetze, zu gründen.

Die eigentliche Geschichte des Verbandes beginnt mit seiner formellen Gründung 1948 auf Schloss Augustusburg in Brühl, mit der Wahl des nationalsozialistisch belasteten Hans Jantzen zum Ersten Vorsitzenden sowie den von da an bis heute zweijährig stattfindenden Kunsthistorikertagen. 1950 forderte Herbert von Einem vergeblich die Bildung eines „Ehrengerichtes“, um die Vergangenheit belasteter Kollegen im Nationalsozialismus zu untersuchen. Von Einems Wahl zum Vorsitzenden 1961 läutete die zuvor schon begonnene, internationale Öffnung des Verbandes sowie das Angebot zur Mitgliedschaft an die nach 1933 exilierten Kolleginnen und Kollegen ein.

Nicht nur die mehr oder weniger zögerliche Aufarbeitung der Vergangenheit soll Thema des Workshops sein, sondern auch die typischen Fachdiskussionen der Nachkriegszeit und die politischen Aktivitäten des Verbandes. Hier liegt ebenfalls umfangreiches, hochinteressantes und teilweise völlig ungesichtetes Material vor. So hat für den Bereich der Denkmalpflege der Verband erfolglos auf den Abriss der Schlösser und Kirchen in Berlin und Braunschweig einzuwirken versucht, zugleich aber auch die Bewahrung von Denkmalen in München oder Augsburg mitbewirkt. Auch Erörterungen wie die vor allem in der Verbandszeitschrift „Kunstchronik“ geführten Diskussionen um die Bedeutung von „Form und Gegenstand“ (1951) oder das Ringen um „zeitgemäße“ und „moderne“ Präsentationen der Kunstwerke in den Museen prägen die kunstgeschichtlichen Debatten jener Jahre. Der sich bis 1961 noch als gesamtdeutsch verstehende Verband vollzog bereits zuvor sowohl geographisch wie ideologisch eine Abkehr von Ostdeutschland und betrieb eine Hinwendung zu einer (west-)europäischen, „abendländischen“ Identität und Tradition. Symptomatisch war hier das Motto des 6. Deutschen Kunsthistorikertags 1956 in Essen unter dem Titel „Werdendes Abendland an Rhein und Ruhr“. 1964 gelang die Durchführung des 21. Internationalen Kongresses für Kunstgeschichte in Bonn, bei der auch Exilanten wie Rudolf Wittkower, Richard Krautheimer und Nikolaus Pevsner mitwirkten.

Die politische Einflussnahme des Verbandes in dieser Zeit äußerte sich etwa in einer Intervention bei der Kultusministerkonferenz, die 1962 den Kunstunterricht an Gymnasien einschränkte. Der Verband gab außerdem Empfehlungen an den Wissenschaftsrat, zum Beispiel zum Recht der Museen und zum Urheberrecht.  Auch versicherte der Verband bereits 1954 in einer Erklärung demonstrativ, dass sich keinerlei Raubkunst in den (west-)deutschen Museen befände – eine aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbare Sichtweise. Die prägenden Jahre der Verbandsge­schichte ab den späten 1960er Jahren sollen auf dem Workshop nur ansatzweise berücksichtigt werden, da sie einer späteren Tagung vorbehalten sind.

Workshop

Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, 1. und 2. Oktober 2018

PROGRAMM

Montag, 1. Oktober 2018

Gruppenführungen ins Depot des Deutschen Kunstarchivs im Germanischen Nationalmuseum
Susanna Brogi
Gruppe A: 11:30 Uhr, Gruppe B: 12:30 Uhr
(bis max. 15 Personen, Dauer ca. 30-40 min., nur mit Anmeldung)

14:00 Uhr
Begrüßung
- G. Ulrich Großmann, Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums
- Susanna Brogi, Leiterin des Deutschen Kunstarchivs
- Kilian Heck, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V.

14:30 Uhr
Nikola Doll, Bern
Eine Standortbestimmung: Der Kunsthistorikertag in Brühl und seine Vorgeschichte
(mit anschl. Diskussion)

15:15 Uhr
Christof Baier, Düsseldorf
Zwischen „Abendlandideologie“ und „dialektischem Materialismus“. Der Verband Deutscher Kunsthistoriker und die Kunstgeschichte in der frühen DDR (1945–1961)
(mit anschl. Diskussion)

16:00 Uhr
Kaffeepause

16:30 Uhr
Martina Sitt, Kassel
Kleine Anmerkung zu Fundstücken aus dem Archiv des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker
(mit anschl. Diskussion)

Anschließend Umtrunk

Dienstag, 2. Oktober 2018

09:00 Uhr
Thomas Kirchner, Paris
Deutsche Frankreichforschung während der Okkupation und nach der Befreiung
(mit anschl. Diskussion)

09:45 Uhr
Barbara Schellewald, Basel
Die kunsthistorische Mediävistik der 1950er Jahre und die Politik des Kunsthistorikerverbandes
(mit anschl. Diskussion)

10:30 Uhr
Kaffeepause

11:00 Uhr
Stefan Grohé, Köln
Hans Kauffmann als Kunsthistoriker und Organisator
(mit anschl. Diskussion)

11:45 Uhr
Kilian Heck, Greifswald
Herbert von Einem. Eine Miszelle zur Vorgeschichte des Vorsitzenden
(mit anschl. Diskussion)

12:30 Uhr
Mittagspause

14:00 Uhr
Timo Saalmann, Fürth
Fachgeschichte auf den Kunsthistorikertagen der späten 1960er Jahre
(mit anschl. Diskussion)

14:45 Uhr
Christian Fuhrmeister, München
Umrisse einer „ganzheitlichen“ Verbandsgeschichte
(mit anschl. Diskussion)

15:30 Uhr
Abschlussdiskussion
(Moderation: Johannes Grave)

ca. 16:30 Uhr
Ende der Veranstaltung


--
Organisation:
Prof. Dr. Kilian Heck, Prof. Dr. Johannes Grave
für den Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V.

Ort:
Germanisches Nationalmuseum, Aufseß-Saal
Kartäusergasse 1, 90402 Nürnberg

Anmeldung:
Die Teilnahme ist kostenfrei.
Um eine formlose Anmeldung zum Workshop bis zum 22.09.2018 wird gebeten unter: info(at)kunsthistoriker.org. Sofern eine Teilnahme an einer Depotführung im Deutschen Kunstarchiv erwünscht ist, ist eine entsprechende Vormerkung im Rahmen der Anmeldung unbedingt erforderlich!

Kontakt für Rückfragen:
Geschäftsstelle des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V.
Haus der Kultur, Weberstr. 59 a, 53113 Bonn
Tel.: 0228 18034-182
info(at)kunsthistoriker.org

Veranstaltungskalender (Anzahl 3)

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